½–(8) 2* Zu viel Wachen thut bald krachen. Quod enim alterna carer requie, durabile non eſt.
Hippocrates einer auß den fuͤrnembſten Medicis ſchreibt vom Schlaff Lib. 2. Aphriſmo 3. das unmaͤſſige Wachen und das unzei⸗ tige Dichten erſchoͤpffet die Geiſter und verzehret den Balſam deß Le⸗
bensꝛc. Das haben wir an unſerem gar zu wachtſamen Hoch⸗wertheſtem Chur⸗Fuͤrſten nur gar zu viel erfahren. Vom Morgen fruͤh biß in den
ſpaten Abend/ auſſer den wenigen Stunden die er an ſeiner Taffel etwan hat zubracht/ hat es den gantzen Tag golten. Den voͤlligen Laſt ſeiner Geiſt⸗ und Weltlichen Regirung hat dieſer Atlas auff ſeiner Axel getra⸗ gen. Davon werden Zeugnuß geben alle ſeine Hohe/ Mittlere⸗Bedien⸗ ten. Was fuͤr ein wachtſames Aug hatte dieſer VI GILANS PASTO K auff ſein allhieſiges Geiſtliches Conſiſtorium, auff ſeinen Geheimen⸗ und Cantzley⸗Rath/ auff ſein Hoff⸗ und Statt⸗Ge⸗
richt/ auff ſein Zahl⸗und Rhenten⸗Cammer. Wie genau pflegte er
taͤglich ſeinen Kuͤchen⸗ und Keller⸗Zettul zu durchgehen? Wie ſorgfaltig war dieſer treue Fuͤrſt fuͤr ſeine Geiſt⸗ und Weltliche Armen. Wobey ja nit zuverſchweigen/ die ſonderbahre Wachtſamkeit/ der er in Außtheilung derſelbigen ſchon in ſeinem geringerem Stand ſich beflieſſen/ und jederzeit dahin getrachtet/ daß dieſelbige nit leichtlich moͤchten verkuntſchafftet wer⸗ den: worinnen er dißfals in die Fuß⸗Tapffen des lobſeligſten Fuͤrſten Coſini Medices getretten/ von deme Pontanus libro de Liberalitate Cap. XXVII. meldet/ er habe durch ſeine allervertrauteſte Freund ſein Allmoſen herumb zu ſchicken pflegen; Dem heiligen Evangclio
gemaͤß/ in welchem Chriſtus lehret: te taciente Eleemoſynam neſciat
ſiniſtra tua quid faciat dextera, Match. Cap. VI. V. 3. O wie viel dergleichen liebe Almoſen hat unſer Hochwuͤrdigſter DAMIA N durch ſeine allervertrauteſte Freund herumb tragen laſſen: eben dergleichen Kunſt hat er in andern ſeinen guten Wercken zu practiciren wiſſen. Fern war von dieſem redlichen und frommen Hertzen/ das leydige Laſter der Gleiß nerey: Dann ob er ſchon andern/ und ſeinen Underen/ ſo einem heil⸗ ſamen Exempel am Altar/ in der Veſper und ſonſten ſeine hohe Prieſter⸗ liche Ampts⸗Verrichtung hat leichten laſſen/ ſo hat er dennoch jederzeit da⸗ bey die geiſtliche Regull ſehr fleiſſig in acht genommen: Sic ſit opus in externo ut tamen maneat intentio in occulto, und hat darbey nit ſeine eigene/ ſondern allermeiſt die Ehre Gottes auß tieffſtem Grund ſeiner
Seelen geſuchet/ wie darauß klaͤrlich abzunehmen/ weilen er niemahls
dem Altar ſich genaͤheret/ er habe dan vorhero auch die geringſte Flecken ſeines Gewiſſens durch das H. Sacrament der Buß gereiniget. In dieſer Andacht waren Ihro Chur⸗Fuͤrſtl. Eminenz, daß ſie ſich mehr⸗ mahl vernehmen laſſen/ wer auch mit einer geringen Suͤnd zum Altar gehe/ der ſeye ein Atheiſt im Hertzen. Ach freylich iſt dem alſo Und iſt Wunder/ daß nit manchmahl die gerechte Raach Gottes manchen
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