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Pastor Vigilans. Oder Christliche Leich-Rede Von Nothwendiger Hut und Wachtsamkeit/ die alle Christen in diesem zeitlichen und vergänglichen Leben/ sonderlich aber Geistliche Seelen-Hirten zuhalten schuldig seynd : Auß Gottes H. Wort/ nach dessen wahrhafftem Vättermässigen Verstand abgehandelt/ und mündlich vorgetragen in hochansehnlicher und sehr Volckreicher Versamblung/ Als deß Hochwürdigsten in Gott Vattern/ Fürsten und Herrns Herrns Damiani Hartardi, Deß Heil. Stuhls zu Mayntz Ertz-Bischoffen/ deß H. Römis. Reichs durch Germanien Ertz-Cantzlers und Chur-Fürstens/ Tods-verblichener Leichnamb in St. Laurentii Capell des Hohen Dhom-Stiffts versencket/ der entleibten Seel aber nach Uhr-alten Catholischem Brauch/ durch das Göttliche Ampt der H. Mess. und übriger Besingnuß die schuldige Suffragia erstattet worden / Durch den Hochwürdigen in Gott Vattern/ und Herrn/ Herrn Adolphum Godefridum, Bischoffen zu Diocletianopel und Mayntzischen Suffraganeum, der H. Schrifft Doctorn, Pastorn und Dhom-Predigern in Mayntz
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88) 7(28 zehenden nit/ 2. iſt es eine kurtze Lebens⸗Friſtung/ und helſt dißfalls: Ci⸗ tius aut ſerius metam properamus ad unama dan von Gott heiſt es/ mille anni ante oculos tuos ficut dies heſterna quæ præterilt, Pf. LXAXXIX. v. O wie wohl waͤre es offtermahl geſchehen/ wan man⸗ cher zum Toot bereiter Menſch die Schuld ſeiner Natur in dieſem oder je⸗ nem Zuſtand alſobald abgezahlet/ und nit wiederumd in die gefaͤhruche Lebens⸗Zeit zuruͤck gegangen waͤre. 3. Pauci cx infirmitate melio- rantun ſpricht der fromme Ihomas de Kempis Lib. l. Cap. III.

Viel ihrer offtermahls erkrancken Wenig treffen beſſere Schrancken.

Damit wir aber dermahleins à theſi ad hypotheſin kommen/ und eigendlich vernehmen moͤgen/ wie fleiſſig unſer biß dahero geweſener/ nunmehr in Gott abgelebter ſeeligſter Churfuͤrſt dieſes VIGlLA practi- ciret/ und nach zuruͤck gelegter erſten Wacht ſeines unmuͤndlichen Al⸗ ters/ in welchem er gleichwol ſchon herrliche Zeichen ſeines kuͤnfftigen wachtſamen Verſtands von ſich blicken laſſen/ in dem er ſich ſchon da⸗ mahls ſtill/ ſittſamb und ernſthafft erzeiget: ſo iſt uns dieſer Orten/ woſelbſten er von Kindes Beinen auff oͤffters ſich eingefunden/ und jeder⸗ zeit loͤblich converſirt, gnugſam bekandt/ wie er in dieſer ſeiner zweyten Wacht dieſem Befelch Chriſti eiferig zu beobachten ihme alles Ernſtes habe angelegen ſeyn laſſen. Wie fleiſſig hat er ſeiner Seel gewachet/ von der Zeit an/ da er im Jahr 1634. auff allhieſiges Dohm⸗Stifft auffge⸗ ſchworen worden/ ein Hert ungefehr von 14. Jahren/ davon werden ſeine Præceptores den beſten Bericht ertheilen koͤnnen. Wie eingezogen er ſich auff ſeinen Reiſen gehalten/ davon kan Zeugnuß geben ſein da⸗ mahls geweſener Hoffmeiſter. Nachdem er aber zu der Capitular- Stell zugelaſſen/ und beym Paͤbſtlichen Stuhl wegen ſeiner bekandten Tugenden die Probſtey zu St Alban uͤberkommen/ da iſt das VIGILA in omnibus labora allererſt recht angangen. Wie embſig und fleiſſig er taͤglich ſeine Horas Canonicas gebetten/ wie unverdroſ⸗ ſen er dem Chor⸗Gang beygewohnet/ wie embſig er die Sonn⸗ und Feyertags Predigten beſuchet/ davon kan ich das beſte Zeugnuß geben. zu geſchweigen/ wie ernſthafftig er die Gerechtſame ſeiner anvertrau⸗ ten Kirchen gegen allen unbilligen Eingriff behauptet. Bey ihm hieſſe es VIGILANTIBUS JURA. Nachdeme es aber dem Allguͤtigen Gott beliebet/ dieſes anſehnliche Liecht auff den hohen Leuchter deß Mayntzi⸗ ſchen Stuhls und Chur⸗Fuͤrſtlichen Thron zuverſetzen/ da hat di ſer Hochwuͤrdigſte Ertz⸗Biſchoff und Prælat ihme jene ernſtliche Ermahnung deß H. Pauli dergeſtalt zu Hertzen ſteigen laſſen: Tu vero Vigila in omnibus labora, II. Timoth. Cap. 1 V. V. 5. daß er von nfang ſeiner Regierung biß an den letzten Athem ſeines Lebens kaum emmahl hat erſchnauffen koͤnnen. 3 34

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