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Pastor Vigilans. Oder Christliche Leich-Rede Von Nothwendiger Hut und Wachtsamkeit/ die alle Christen in diesem zeitlichen und vergänglichen Leben/ sonderlich aber Geistliche Seelen-Hirten zuhalten schuldig seynd : Auß Gottes H. Wort/ nach dessen wahrhafftem Vättermässigen Verstand abgehandelt/ und mündlich vorgetragen in hochansehnlicher und sehr Volckreicher Versamblung/ Als deß Hochwürdigsten in Gott Vattern/ Fürsten und Herrns Herrns Damiani Hartardi, Deß Heil. Stuhls zu Mayntz Ertz-Bischoffen/ deß H. Römis. Reichs durch Germanien Ertz-Cantzlers und Chur-Fürstens/ Tods-verblichener Leichnamb in St. Laurentii Capell des Hohen Dhom-Stiffts versencket/ der entleibten Seel aber nach Uhr-alten Catholischem Brauch/ durch das Göttliche Ampt der H. Mess. und übriger Besingnuß die schuldige Suffragia erstattet worden / Durch den Hochwürdigen in Gott Vattern/ und Herrn/ Herrn Adolphum Godefridum, Bischoffen zu Diocletianopel und Mayntzischen Suffraganeum, der H. Schrifft Doctorn, Pastorn und Dhom-Predigern in Mayntz
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wird: Mitte mihi caput tuum ſchicke mir deinen Kopff; lege dich auff das Tod⸗ und Sterbe⸗Bett/ und gib mir deine Seelher/ von dem du ſie empfangen haſt. Deine Zeit iſt voruͤber/ die Sand Uhr deines Lebens iſt ausgelauffen. Hierwider ſperret ſich zwar die naͤrriſche menſchliche Vernunfft/ die wolt es gern anderſt und nach ihrem thoͤrichten Sinn haben/ nemlich daß einem jedwedern Kind bey ſeiner Geburt ein Zedul mit auff die Welt gegeben wuͤrde/ in welcher ſein gantzer Horoſcopus deutlich verzeichnet/ der Tag/ die Stunde/ die Weiſe und Manier ſeines Todes ausdruͤcklich vermeldet wird; So wil esaber Gott nit haben/

hat auüch deſſen gantz trifftige urſachen.

Die erſte Urſach hat er der heiligen Schivediſchen Fuͤrſtin⸗ Lib. V. Revelationum Cap. II. mit folgenden Worten angezeigt: Si homo ſeitet tempus mortis ſuæ, fetvirèt miniex timore,& præ do- lore deficeret, wann mancher Geiſtlicher ſolte vorher wiſſen/ daß er von ſeinem leiblichen Bruder mit einer Art ſolte niedergehauen; mancher Vatter von ſeiner Echten To chter und Tochtermannertroßlet/ wie in wenig Jahren wir alhier zu Nayntz und zu Cobolentz leyder erlebet ha⸗ ben/ in was für Angſt und Schrecken wuͤrde ein ſolcher ſein Leben zubringenn. a an nee 27 71, Hor 2 Die zweyte Urſach fuͤhret an der beruͤhmte Lehrer Climacus, in ſcala paradiſi gradu VI: Quærunt nonnulli& dubitant quid ſit. quamobrem Deus nos extremum vitæ diemn præſcire nolit, cum memoria tamen mottis ſit nobis tam ſalutaris, ignorantes Deum hoc ipfum ſalutis noſtræ cauſa facere; Ihrer etliche fragen und zweifein/ was doch das ſey/ daß Gott nit haben wil/ daß wir den letzten Tag vorhero wiſſen ſollen/ da doch die Gedaͤchtnuͤß deß Todes uns al⸗ ſo heylſam ſey/ und wiſſe nit/ daß GOtt dieſes unſers Heyls halben ge⸗ than habe. Wann mancher wuſte/ daß er 80. 90. 100. und mehr Jahr ſolte leben/ ſo wuͤrdeers in ſeiner Jugend tapffer daher gehen laſſen/ und umb die ewige Seligkeit ſich wenig bekuͤmern/ ſeine Buß und Bekehrung wuͤrdeer biß in das graue Alter verſchieben/ gleichwie in der erſten Kir⸗ chen ihrer viel mit dem Tauff gemacht/ und denſelben biß an den Tod Perſdeh. nni de ne, aaee e an b

Der dritten Urſach chur Neldung der hocherleuchte Vatter

Auguſtinus, in ſeiner Erklaͤrung uͤber den Cl. Pſalm: Ne deſpera-

tione homines pejus viverent, promilit indulgentiæ portum; ne ſpe venic pejus viveremus, feoit diem mortis incertiſſimum; damit die Menſchen nicht aus Verzweiffelung ſchlimmer moͤchten leben/ hat er den Tag deß Todes allerdings ung wiß gemacht; Alß wolte er ſagen: Wann keine Vergebung der Suͤnden waͤre⸗ ſo wuͤrden die Menſchen zum dickſten hinein ſüͤndigen/ und ſagen. Ich hab einmal einen Sturtz in die Sunden gethan/ den wird mir GOtt nimmermehr verzeyhen/

wolan/ ſo wil ich dann das Naß der Suͤnden voll machen/ u 95