22 Dritte Modifikation.
Vater zu ſich gebeten hatte„ den ernſten und alle Albernheiten und Laͤppſchereien verachtenden Haus⸗ lehrer zum Ziel einfaͤltiger Spaͤſe und leerer Wi⸗ tzeleien. Dieſer wollte aus Achtung gegen einen Gaſt nichts eben darauf erwiedern, mußte ſich aber durch die Fortſetzung jener Behandlung ge⸗ kraͤnkt fuͤhlen. Er bekannte dem Hausvater, daß er die Geſetze der Artigkeit gegen einen ſolchen Gaſt nicht mehr auf ſich anwendbar ſaͤhe und daher eine bittre Gegenwehr fuͤhren werde.„Blei⸗ ben Sie ruhig, entgegnete der Hausvater, ich will Ihnen Ruhe ſchaffen.“ Als man ſich zu Tiſche ſetzen wollte, ſo redete er den edlen Major des im Orte ſtehenden Regiments, welcher der vornehmſte Gaſt war, an:„Gnaͤdiger Herr, wollen Sie wol einem braven und rechtſchaffenen Manne die Auszeichnung widerfahren laſſen und erlauben, daß derſelbe die Ehre haͤtte, heute an ihrer Seite zu ſitzen?— und werden die uͤbrigen Herrn es zufrieden ſeyn?“—„Sie werden mir, verſetzte der edle Officier, keine groͤſſere Freude machen koͤnnen!“ und Niemand entgegnete etwas. „Nun ſo erlauben Sie dieſe Auszeichnung, ſagte der Vater, dem Lehrer meiner Kinder!“ Mit einem Male war alle Witzlei zu Boden geſchla⸗ gen und der leere Witzling blieb ſtumm auf lange Zeit.— Was ſoll es denn frommen, wenn El⸗ tern zugeben, daß man die Schuͤchternheit, das ſtille Weſen, den Mangel an glaͤnzendem Witz angreifen darf, um im Spaß oder Ernſt, eins ſo albern, wie das andre, denjenigen zu miß⸗


