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Die falsche und wahre Erziehung der Kinder durch Hauslehrer : für Unterrichtende und Eltern, aus mehrjährigen Erfahrungen / dargestellt von Heinrich August Hecht, Pfarrer zu Veitsberg, im Großherzogthum Sachsen
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222 Dritte Modifikation.

tuellen Bildung zugetheilt iſt. Erhebt ſich unſer Geiſt uͤber andre, die er in Bildung und Kraͤf⸗ ten unter ſich erblickt, ſo fordert er es als ein Recht, uͤber dieſelben erhaben zu ſeyn, ſo legt er es jenen als Pflicht auf, dieſe Erhabenheit anzuerkennen und auch äͤuſſerlich zu ehren. In welchen Familien aber werden Hauslehrer gerade die meiſte Veranlaſſung zu Klagen uͤber Vernach⸗ laͤſſigung und Herabſetzung finden, als gerade in ſolchen, deren Oberhaͤupter Geiſter von weni⸗ ger Bildung und Staͤrke ſind. Denn dieſelben wollen ihre Geiſteskleinheit durch ein aͤuſſeres vor⸗ nehmes Air, durch emſige Bemuͤhung, auch dem Hauslehrer ſeine Abhaͤngigkeit fuͤhlen zurlaſ⸗ ſen, die Bloͤſen decken, die ſie doch oft unwiſ⸗ ſend geben und ohnmoͤglich uͤbertuͤnchen koͤnnen. Der gebildete Hauslehrer(denn nur von dieſem kann die Rede ſeyn), wird ſich daher ſtets in gebildeten Familien beſſer befinden, als in den gegentheiligen. Denn, gebildete Geiſter koͤnnen einander ohnmoͤglich die Achtung verſagen, die ſie aus Grundſaͤtzen von einander als Pflicht for⸗ dern, und aus gegenſeitiger Werthſchaͤtzung ein⸗ ander als Belohnung ertheilen. Wird dem Haus⸗ lehrer der Aufenthalt in einer Familie durch Mangel an Werthſchaͤtzung verbittert, ſo wird dadurch nichts Gutes ausgerichtet. Die nach⸗ theiligen Wirkungen aͤuſſern ſich ſelbſt in der Art und Weiſe der Betreibung des Unterrichts, in⸗ dem dem Lehrer die Luſt benommen iſt, mit Freu⸗ digkeit ſein Amt zu verwalten. Durch Herab⸗