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Die falsche und wahre Erziehung der Kinder durch Hauslehrer : für Unterrichtende und Eltern, aus mehrjährigen Erfahrungen / dargestellt von Heinrich August Hecht, Pfarrer zu Veitsberg, im Großherzogthum Sachsen
Entstehung
Seite
221
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Dritte Modifikation. 221

ling ſeyn, der ohne Bezahlung keinen Fuß regte und jede Kraftaͤuſſerung nach Zahlungen berech⸗ nete, aber eben deswegen auch ausgezeichneter, als ein Miethling, behandelt werden. Jene Dank⸗ barkeit wird er darum vornehmlich in der Ach⸗ tung erkennen, welche ihm die Eltern erzeigen und die er im Hauſe durch deren Fuͤrſorge findet. Es wird ihm wol dabei ſeyn; denn keine Herab⸗ ſetzung erfuͤllt ihn mit Widerwillen gegen ſeine Verhaͤltniſſe, keine Vernachlaͤſſigungen ſchlagen ihn nieder und heiter arbeitet er in ſeinem Kreiſe. Achtungserweiſungen ſind ein maͤchtiger Hebel, welcher Faͤhigkeit und Kraͤfte in jedem gebildeten Menſchen in Bewegung bringen, Luſt und Muth aus deſſen Innern hervorheben wird, ſchwierige Zwecke mit Standhaftigkeit zu erreichen. Dieſen Hebel bei Hauslehrern anzuwenden, wird um ſo rath⸗ ſamer ſeyn, als es der eine mehr, der andre weniger fuͤhlt, wie unter manchen Verhaͤltniſſen in ſeiner Abhaͤngigkeit von Eltern etwas Druͤ⸗ ckendes, bisweilen Demuͤthigendes liegt. Dies wird vornehmlich der Fall ſeyn, wenn er denſel⸗ ben an Bildung des Geiſtes uͤberlegen ſeyn ſollte. Denn, ſo ſehr wir auch durch Gewohnheit und Erziehung angeleitet ſind, an dem Aeuſſerlichen Anderer haͤngen zu bleiben und nach dieſem den Grad ihrer Schaͤtzung zu berechnen, mißt den⸗ noch der Geiſt, aufrechtgehend auf dem Wege wahrer Cultur, die Schätzung des Menſchen nach der ihm eigenthuͤmlichen Wuͤrde ab, welche ihm durch den Grad ſeiner moraliſchen und intellec⸗