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Dritte Modifikation. 219
chende Achtung im Hauſe Anſpruch machen zu wollen. So wenig dieſelbe dem gebildeteu Manne gleichguͤltig ſeyn kann, ſo ſtark das Gefuͤhl der Ehre in ihm anſprechen muß: ſo laut muß auch in gebildeten Eltern das Bewußtſeyn werden: es ſey Pflicht, dem Lehrer die ſtillſchweigende For⸗ derung allgemeiner Achtung im Hauſe zuzugeſtehn. Sie koͤnnen dieſe Forderung in ihm vorausſetzen und es ohnmoͤglich unter ihrer Wuͤrde achten, deren Erfuͤllung freiwillig zu gewaͤhren. Deshalb kann es allerdings als ein Mangel angeſehen werden, wenn Eltern durch Stolz und vorneh⸗ mes Weſen den Lehrer eben ſo von ſich entfernt halten, als ſie es nicht bekuͤmmert, wenn ihm von der Dienerſchaft auf eine Art begegnet wird, die den Gefuͤhlvollen mit Schmerz erfuͤllt, den, der auf Ehre und Wuͤrde haͤlt, empoͤrt. Zwar ſollen die Zeiten dahin ſeyn, wo man den Haus⸗ lehrer als den erſten Bedienten des Hauſes zu betrachten gewohnt war,— ſoll der Geiſt aͤchter Humanitaͤt auch in dieſem Puncte das Verhalten der Familien beherrſchen; allein, ſo wol auch die Erfahrung einer ſolchen Herrſchaft dem Men⸗ ſchenfreund thun moͤchte, ſo groß auch der Wunſch nach Allgemeinheit derſelben in jedem Vernuͤnftigen iſt, ſo wenig iſt es zuzugeſtehen, daß jene Humanitaͤt allgemein ſichtbar ſey, wovon ſchon oben durch Thatſachen die Erfahrungsbe⸗ weiſe gegeben worden ſind. Nothwendig ſetzen wir freilich voraus, daß der Hauslehrer ein Mann von wiſſenſchaftlicher Bildung, guten Sit⸗
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