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Die falsche und wahre Erziehung der Kinder durch Hauslehrer : für Unterrichtende und Eltern, aus mehrjährigen Erfahrungen / dargestellt von Heinrich August Hecht, Pfarrer zu Veitsberg, im Großherzogthum Sachsen
Entstehung
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210
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210 Dritte Modifikation.

die Anſicht einer bequemen und angenehmen Be⸗ foͤrderung ſeiner ſinnlichen Exiſtenz beſtimmt, ſo wird er ſich auch angetrieben fuͤhlen, einer ſol⸗ chen Werthſchaͤtzung nicht unwuͤrdig zu erſchei⸗ nen, die Zwecke der Familie, zu welchen er thaͤ⸗ tig ſeyn ſoll, zu den ſeinigen zu machen, in den ihm Untergebenen Perſonen zu achten, mit welchen er in einem Verhaͤltniſſe ſtehen ſoll, das dem der Anverwandten aͤhnlich iſt, indem er zwiſchen Eltern und Kindern ſeine Stelle fin⸗ det. So wird ſich demnach von einem verhaͤlt⸗ nißmaͤßig gut beſoldeten Lehrer mehr Bereitwil⸗ ligkeit und Ausdauer erwarten laſſen, der Ab⸗ ſicht ſeiner Annahme zu entſprechen, als von einem verhaͤltnißmaͤßig ſchlechtbeſoldeten. Nim⸗ mermehr duͤrfen darum Eltern glauben, zu pro⸗ fitiren, wenn ſie in der Herabſetzung des Ge⸗ halts fuͤr den Lehrer etwas zu erſparen ſuchen. Sie erſparen ja ohnedies genug, indem die Kin⸗ dererziehung durch Hauslehrer die wohlfeilſte iſt. Man denke doch nur, was etwa drei oder vier Kinder fuͤr Koſten noͤthig machen wuͤrden, wenn ſie alle auf oͤffentlichen Schulen oder in Privatinſtituten an entfernten Orten erzogen wer⸗ den ſollten? Wenn wir es auch nicht zu hoch anſchlagen, ſo kann es unter 500 Thalern nicht geſchehen; und nun halte man die Beſoldung des Hauslehrers dagegen und berechne alle ſeine uͤbri⸗ gen Emolumente, ſo wird man bald fuͤhlen, daß man alle Urſache habe, deſſen Honorar vortheil⸗ haft zu beſtimmen.