Druckschrift 
Die falsche und wahre Erziehung der Kinder durch Hauslehrer : für Unterrichtende und Eltern, aus mehrjährigen Erfahrungen / dargestellt von Heinrich August Hecht, Pfarrer zu Veitsberg, im Großherzogthum Sachsen
Entstehung
Seite
205
Einzelbild herunterladen

n

Dritte Modifikation. 205

fremder, edler Perſonen einen Werth zu ſetzen; um ihnen hierdurch leiſe die Maxime einzufloͤßen: daß wir unſerm Verhalten das Merkmal der ver⸗ nuͤnftigen Allgemeinguͤltigkeit aufdruͤcken, bei un⸗ ſern Beſchaͤftigungen auch auf die Menſchheit achten ſollen, wodurch wir den moraliſchguten ſowol, als den weltbuͤrgerlichen Sinn in ihnen ſtark wecken werden: ſo veranſtalte man von Zeit zu Zeit eine Schulprobe. In dieſer laſſe man ſie nicht allein vor Gliedern der Familie, ſondern auch vor mehrern Hausfreunden und Bekannten, wenn es geſchehen kann, auch vor Fremden Pro⸗ ben ihrer Faͤhigkeiten und Fertigkeiten ablegen. Jeder Zuhoͤrer aber ſoll gehalten ſeyn, weder in Lob auszubrechen, noch ſich einen Tadel erlau⸗ ben. Man werde mit ihnen vielmehr einig: daß ſie bei ihren Beſuchen das Betragen gegen die Kinder nach dem erhaltenen Begriff von Wuͤrdig⸗ keit einrichten, ohne die Urſache muͤndlich zu aͤuſ⸗ ſern, den Lobenswerthen ſichtbar vorziehen, doch ſo, daß der Tadelnswerthe es zugleich empfinde, woher es komme, daß man ihn zuruͤckſetze. Um nun den letztern nicht niederzuſchlagen oder bos⸗ haft zu machen, ſo bringen Eltern und Lehrer die Merkmale der Beſſerung zur Notiz der Haus⸗ freunde, damit dieſe ſich im Verhalten darnach richten koͤnnen. Jene Schulproben kann man zu Ende jedes Vierteljahrs oder alle halbe Jahre halten. Wollen die Geſchaͤfte des Hausweſens keinen Wochentag dazu erlauben, ſo benutze man den Nachmittag eines Sonntags, der ohnedem