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Die falsche und wahre Erziehung der Kinder durch Hauslehrer : für Unterrichtende und Eltern, aus mehrjährigen Erfahrungen / dargestellt von Heinrich August Hecht, Pfarrer zu Veitsberg, im Großherzogthum Sachsen
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204 Dritte Modifikation.

ten, jenes nicht in Lobeserhebungen und Schmei⸗ cheleien, dieſes nicht in veraͤchtlichen Herabſetzun⸗ gen, Beſchämungen und Schimpfreden zu beſte⸗ hen; man ertheile es mehr durch die Art und Weiſe, mit ihnen umzugehen. Man laſſe es ih nen deutlich merken: daß Kinder durch ihr Be⸗ tragen, ihre Kenntniſſe, ihre Bereitwilligkeit zum Guten ſelbſt die Behandlung bewirken koͤnnen, die ſie von Andern wuͤnſchen; daß wahre Ach⸗ tung, die ſie von Andern erwarten wollen, eine Wirkung ihres innern, hohen Werthes ſey, den ſie ſich durch Fleiß und Ordnung, Folgſamkeit und punktliche Pflichterfuͤllung, durch Nüuͤtzlich⸗ keit, Anſtaͤndigkeit, ſittliche Guͤte und Froͤmmig⸗ keit erwerben; daß man zu eben dieſer Abſicht eine naͤhere Kenntniß von ihrem Verhalten und Arbeiten zu erlangen ſuche, um ſie nach ihrem wahren Werthe, nach ihrer wahren Wuͤrde be⸗ handeln zu koͤnnen. Eltern und Lehrer aber muͤſ⸗ ſen nothwendig mit vernuͤnftig veſtem Wil⸗ len, weder von Laune, noch von falſchem Mit⸗ leid irre geleitet, die rechte Behandlungsart der Kinder in der Wirklichkeit auch darſtellen; ſie muͤßten ſich denn ſelbſt laͤcherlich und das Gute, das ſie zu befoͤrdern meinen, werthlos in den Augen der getaͤuſchten Kinder machen wollen.

Um die Kinder aber auch auf das Urtheil der Welt aufmerkſam zu machen, ſie zu ge⸗ woͤhnen, bei ihren Geſchaͤften nicht blos die we⸗ nigen Familienglieder zu Zeugen ihres Wohlver⸗ haltens zu nehmen, ſondern auch auf die Achtung

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