Druckschrift 
Die falsche und wahre Erziehung der Kinder durch Hauslehrer : für Unterrichtende und Eltern, aus mehrjährigen Erfahrungen / dargestellt von Heinrich August Hecht, Pfarrer zu Veitsberg, im Großherzogthum Sachsen
Entstehung
Seite
202
Einzelbild herunterladen

202 Dritte Modifikation.

muͤßten, dieſelben umſonſt und vergebens waͤren. Iſt doch der Fleiß und die Anſtrengung erwachſe⸗ ner Perſonen, ſelbſt der Gelehrten, weit groͤſſer und anhaltender, wenn ſie etwas fuͤr das Publi⸗ kum arbeiten, als wenn ihr Geſchaͤft in gar kei⸗

ner Beziehung auf daſſelbe ſteht; um wie viel

mehr muß nicht dies bei den, jetzt noch ſo ſinn⸗ lichen Kindern der Fall ſeyn, die auch ihr Publi kum haben muͤſſen und ſich auch mehrentheils nur durch Aeuſſerungen Anderer uͤber ſie und ihr Thun, und durch den Einfluß ihrer Thaͤtigkeit

auf dieſelben, zum Handeln beſtimmen laſſen?

Will man daher billig und gerecht ſeyn, fordern Eltern, daß der Lehrer etwas leiſten ſoll, ſo muß ihnen auch die Erfuͤllung der ſiebenten Be⸗

dingung am Herzen liegen. Sie werden aber am

beſten verfahren, wenn ſie nicht alle Tage den Richterſtuhl betreten, ſondern nach Maas⸗ gabe ihrer Verhaͤltniſſe mit dem Lehrer gewiſſe Zeiten beſtimmen, zu welchen ſie ſich die Arbei⸗ ten ihrer Kinder vorlegen laſſen, damit ſie die Vor⸗ oder Ruͤckſchritte der Kenntniſſe und Fer⸗ tigkeiten derſelben genauer bemerken und ein un⸗

partheiiſches Urtheil daruͤber faͤllen koͤnnen. Nur

muß ihr ganzes Verhalten hierbei weder von uͤber⸗ triebenen Hoffnungen ausgehen, noch durch die Einhildung von gar groſſen Faͤhigkeiten ihrer Kin⸗ der beſtimmt werden. Glauben ſie ſich zu dieſer Unterſuchung nicht geſchickt oder hoffen ſie von der oͤffentlichen Pruͤfung des Lehrers mehr Wir⸗ kung, ſo werden ſie ihrer Pflicht auch dadurch

A=