22 Zweck der Annahme des Hauslehrers.
lich, zeitweiſe und ein ſittlichguter, frommer Menſch ſey. Der Himmel ſollte uns bewahren, daß wir einen jungen Mann zum Hauslehrer em⸗ pfaͤhlen, ohne zur Gewißheit jener Ueberzeugung gelangt zu ſeyn, deren Ermanglung die unſeelig⸗ ſten Folgen haben kann. Man wird traurigen Ereigniſſen in der haͤuslichen Erziehung nie ſatt⸗ ſam vorbeugen koͤnnen, bevor ſich nicht auf Uni⸗ verſitaͤten Hauslehrerſeminarien bilden, aus denen tuͤchtige Hauslehrer hervorgehen wuͤrden, die man getroſt empfehlen und annehmen koͤnnte. Denn ſie waͤren durch ſachverſtaͤndige Maͤnner gepruͤft, durch abgelegte Proben fuͤr wuͤrdig erfunden, und durch oͤffentlich autoriſirte Sittenzeugniſſe wuͤrde man vor Sittenverderbniß unter den Kindern mehr in Sicherheit geſetzt ſeyn. Auf dieſe Puncte iſt vor der Annahme eines Hauslehrers du rchaus zu ſehen, jemehr die Studenten und Candidaten durch Vermoͤgensumſtaͤnde gezwungen werden, die anſtaͤndigſte Gelegenheit zur Befriedigung ihrer keiblichen Beduͤrfniſſe zu ergreifen,— je mehr ſie haͤufig aus einem, durch Unbekanntſchaft mit der Sache entſprungenen, Leichtſinn jede vorkom⸗ mende, zumal eintraͤgliche, Hauslehrerſtelle begierig ergreifen, ohne gewiſſenhaft zu unterſuchen: ob es ihnen auch nicht an gehoͤriger Vorbereitung mangle? ob ſie die noͤthige Sach⸗ und Schrift⸗ Kenntniß haben, um den gemachten Forderungen zu entſprechen? ob ſie die Groͤße und Wichtig⸗ keit des Zwecks, zu dem ſie berufen werden, ge⸗ nau uͤberlegt haben, und durch Kopf, Herz und


