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Die falsche und wahre Erziehung der Kinder durch Hauslehrer : für Unterrichtende und Eltern, aus mehrjährigen Erfahrungen / dargestellt von Heinrich August Hecht, Pfarrer zu Veitsberg, im Großherzogthum Sachsen
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Zweck der Annahme des Hauslehrers.

Haus und in den Schoos der Familie aufneh⸗ men. Je groͤßer und wichtiger dieſer Zweck vor andern iſt, je hoͤhere Achtung er verdient, je mehr guten Willen, Kenntniß und Weisheit deſ⸗ ſen Befoͤrderung erfordert: deſto bedachtſamer und ſorgfaͤltiger muͤſſen Eltern in der Wahl eines jun gen Mannes ſeyn, der mit ihnen vereinigt die ſchoͤnſte und hoͤchſte Elternpflicht erfuͤllen helfen ſoll. Iſt aber wol dieſe Sorgfalt und Bedacht⸗ ſamkeit ſo allgemein, daß man daraus auf einen uͤberall gleichen Sinn fuͤr pflichtmaͤßige Errei⸗ chung jenes großen Zweckes ſchließen darf? Es fallen in dieſer Ruͤckſicht Fehler und Unterlaſ⸗ ſungsſuͤnden vor, die von den bedeutendſten Fol⸗ gen ſind und es Jedem, der damit bekannt wor⸗ den iſt, zur Pflicht machen, davor zu warnen. Empfehlungen, oft aus unreiner Geſinnung, ver⸗ treten mehrmals die Stelle der noͤthigen Pruͤfung, der man einen Jeden unterwerfen ſollte, mit wel⸗ chem man jenes große Geſchaͤft zu theilen die Abſicht hat. Da giebt es Freunde und Ver⸗ wandte, die ein aus ihrer Mitte ſproſſendes Glied gern der Zukunft wegen in Condition bringen moͤchten, es daher empfehlen, ohne im Minde⸗ ſten daran zu denken: ob man auch, nach vor⸗ ausgegangener weiſen Pruͤfung, mit guten Ge⸗ wiſſen die Rolle des Rathgebers uͤbernehmen duͤrfe? Man ſtuͤtzt ſich dabei haͤufig auf das alberne Argument:Herr N. N. hat nun ausſtudirt. Leider ſoll dies oft woͤrtlich eingetroffen ſeyn und betrogenen Eltern herbe Empfindungen verurſacht