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Die falsche und wahre Erziehung der Kinder durch Hauslehrer : für Unterrichtende und Eltern, aus mehrjährigen Erfahrungen / dargestellt von Heinrich August Hecht, Pfarrer zu Veitsberg, im Großherzogthum Sachsen
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Urſachen zur Annahme der Hauslehrer. 5

bildete Familien ſich nach Hauslehrern umzuſehen genoͤthiget fuͤhlen.

Freilich aber bliebe nun dennoch der natuͤr⸗ liche, der elterlichen Beſtimmung angemeſſene Ausweg uͤbrig: daß in ſolchen Verhaͤltniſſen El⸗ tern ſelbſt die Stelle der Lehrer bei ihren Kindern vertraͤten und bekleideten. So fuͤhrte dann die Mangelhaftigkeit oͤffentlicher Inſtitute die Erzie⸗ hung und den Unterricht wieder an denjenigen Ort zuruͤck, den die Natur jedem Kinde anwei⸗ ſet, um von daher ſeine Ausbildung zu holen. Aber, wie viele und mancherlei Urſachen, oͤffent⸗ lich geaͤuſſert und im Geheim wirkſam, treten auf, um den jungen Weltbhuͤrger wieder an Fremde zu verweiſen, deren Augen ſie eben ſo fremd ſind, als ſie es bei naͤherer Verbindung, leider oft genug, dem Herzen derſelben bleiben! Nur die gewoͤhnlichſten will ich anfuͤhren, die beſſern vorauf, die ſchlechtern im Nachtrabe, welche den Eltern das volle Geſchaͤft der Bil⸗ dung und Erziehung ihrer Kinder entwinden und, aus Mangel an oͤffentlichen und deshalb heilſa⸗ meren Erziehungs⸗ und Unterrichtsinſtituten, noch an vielen Orten den Haͤnden und Herzen der Hauslehrer wiederum uͤbergeben. 4

Eine Haupturſache, heißt es, finde ſich in der Menge von Berufsgeſchaͤften, wel⸗ che den Eltern keine Zeit uͤbrig laſſen, ſelbſt den Ihrigen Unterricht, Bildung und Erziehung zu geben.

Den Beruf zu erfuͤllen, iſt heilige Pflicht.