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Der neu erfundene Patent-Dünger des Prof. Dr. Justus Liebig in Gießen / Justus Liebig ; aus dem Englischen übersetzt und mit erläuternden Zusätzen begleitet von Dr. A. Petzholdt
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(Elfte Erläuterung zu S. 38.)

Aus dem von Liebig in Betreff der Anwend⸗ ung des neuen Duͤngmittels weiter oben Mitge⸗ theilten erſieht man aber ohne Zweifel, daß es der Chemie noch immer nicht gelungen iſt, Wun⸗ der zu thun, d. h. daß ſie noch immer nicht im Stande war, ein ſogenanntes Univerſalduͤngmittel zu erfinden, bei deſſen Anwendung, ſei ſie auch noch ſo gedankenlos, doch unter allen Umſtaͤnden die reichſten Ernten nothwendig erzielt werden muͤſſen. Man erkennt naͤmlich, daß bei der An⸗ wendung der neuen Duͤngmittel, ſoll ſie guten Erfolg haben, von Seiten des Landwirthes der jedesmal vorliegende Fall mit mehr oder weniger Sorgfalt wird zu erwaͤgen ſein, und daß außer anderen Verhaͤltniſſen des Bodens und des Kli⸗ ma's, auch noch die Kenntniß der mittleren Regenmenge, welche jaͤhrlich hier oder da faͤllt, von Wichtigkeit iſt. Es wird ſich, wie uͤberhaupt, ſo auch in Betreff der kuͤnſtlichen Duͤngung mit der Zeit auf das Entſchiedenſte herausſtellen, daß der denkende und wiſſenſchaftlich gebildete Landwirth einen groͤßeren Ertrag ſeiner Felder erlangen wird, als der nach bloßen Recepten handelnde Empiriker. Dieſe Bemerkungen moͤgen zugleich als ein Hinweis dienen, daß, wenn demnaͤchſt mit den neuen Duͤngmitteln Verſuche angeſtellt ſein werden, man ſich zu huͤten habe, nicht zu vorſchnell in der Beurtheilung der guͤnſt⸗ igen ſowie der unguͤnſtigen Wirkung dieſer Duͤng⸗ mittel zu verfahren. Ich erinnere an das, was