muͤßte denn Jemand boshaft genug ſein zu be— haupten,„Reiz“ ſei ein wohlerfundenes, allemal dann zu brauchendes Wort, wo man ſich ſchaͤme, ſein Nichtwiſſen einzugeſtehen.
Es war, wie in Betreff ſo vieler anderer Dinge, ſo auch hierbei abermals der Chemie vorbehalten, zu verſuchen, ob es nicht moͤglich ſei, die Urſache der Wirkung dieſer ſogenannten reizenden Duͤnger zu ergruͤnden; und in der That iſt ihr die Loͤſung dieſer Frage auf eine uͤberraſchende Weiſe gegluͤckt. Denn indem ſie nachzuweiſen vermochte, daß dieſe ſogenannten Reizmittel je nach ihrer chemiſchen Beſchaffenheit bald in der Art wirkten, daß ſie unmittelbar von der Pflanze aufgenommen und zur Bildung von Pflanzenbeſtandtheilen verwendet wurden, alſo geradezu als Nahrungsmittel dienten, bald in der Weiſe, daß ſie, wie z. B. der Kalk, die Verwitterung der Bodenbeſtandtheile beſchleun⸗ igten und ſomit in kuͤrzerer Zeit eine Menge Pflan⸗ zennahrungsmittel in einen fuͤr die Pflanze auf— nehmbaren Zuſtand verſetzten, als es ohne Anwend⸗ ung des Kalkes geſchehen waͤre, hat natuͤrlich die Bezeichnung„reizender Duͤnger“ im Auge der Sachkundigen alle und jede Bedeutung verloren und kann, wenn man ſie von Jemand jetzt noch hoͤrt, hoͤchſtens dazu dienen, daß man ihn ernſtlich bittet, ſich doch mit den das Gegentheil beweiſenden Thatſachen vertraut zu machen, zu deren Verſtaͤnd⸗ niß außer einigen chemiſchen Kenntniſſen und etwas gutem Willen nichts weiter als der Gebrauch des geſunden Menſchenverſtandes gehoͤrt.


