Druckschrift 
Der neu erfundene Patent-Dünger des Prof. Dr. Justus Liebig in Gießen / Justus Liebig ; aus dem Englischen übersetzt und mit erläuternden Zusätzen begleitet von Dr. A. Petzholdt
Seite
63
Einzelbild herunterladen

63

Kohlenſtoff und Stickſtoff verabreiche, lag nahe und iſt ſcheinbar gerechtfertigt.

Allein der Duͤnger, mag es nun vegetabiliſcher oder animaliſcher Duͤnger ſein, enthaͤlt nach eben ſo bekannten Unterſuchungen auch eine Menge mi⸗ neraliſcher Beſtandtheile in der Form von ver⸗ ſchiedenen Salzen. Dieſelben Salze finden ſich auch bei der Verbrennung jedweder Culturpflanze in der ruͤckbleibenden Aſche vor und erregen die Ver⸗ muthung, daß ſie nicht zufaͤllig in die Pflanze ge⸗ langten, ſondern fuͤr das Wachsthum und Ge⸗ deihen derſelben weſentlich nothwendig waren. Es iſt daher der anderen Schlußfolgerung, daß nur der Salzgehalt des Duͤngers das weſentlich Wirk⸗ ſame ſei, ebenfalls Gerechtigkeit widerfahren zu laſſen, und man muß zugeben, daß dieſe Vermuth⸗ ung mindeſtens eben ſo viel Glaubwuͤrdigkeit be⸗ ſitze als jene erſterwaͤhnte, nach welcher das we⸗ ſentlich Wirkſame des Duͤngers in ſeinem Kohlen⸗ ſtoff⸗ und Stickſtoffgehalte liegen ſolle.

Endlich exiſtirt noch eine dritte Anſicht, daß naͤmlich der Duͤnger ſeines Stickſtoff⸗, Kohlen⸗ ſtoff⸗ und Salzgehaltes wegen guͤnſtig wirke.

So iſt wenigſtens die jetzige Sachlage, und es fragt ſich, welche Anſicht die richtige ſei, da die Ermittelung des wahren Verhaͤltniſſes als von der groͤßten Wichtigkeit fuͤr die Zukunft der Agricultur erachtet werden muß.

Es liegt auf der Hand, daß ein ſolcher Streit nur auf dem Wege des Experiments entſchieden