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Dresden. Die Todesſtrafe ſoll bekanntlich nach den Anträgen aller gu— ten Diplomaten und Publieiſten abge— ſchafft werden. Daß ſie wenigſtens nicht abſchrekt, beweiſt eklatant ein Vor⸗ fall in Freiberg, wo während einer pom— pöſen, feſtzüglichen Enthauptung nicht weit vom Schaffot eine neue Mordthat verübt ward. Was ſagt ihr dazu, ihr Abſchrekungs- Theoretiker? Vielleicht iſt der Mörder ehrgeizig geweſen und hat gedacht, es iſt doch gar nicht übel, ſo pompös, ſo bewundert u. angeſta unt um einen Kopf kürzer zu werden!
Augsburg. Die Augsburger Zeitſchrift:„Sion“ meldet folgendes Wunder: Eine Bauerfrau in der dor— tigen Gegend litt ſeit langer Zeit an einer Thränenfiſtel. Der Pfarrer des Dorfes rieth, ſich operiren zu laſſen; allein die Frau, ſich vor einer ſchmerz⸗ haften Operation fürchtend, wollte die— ſelbe nicht unternehmen laſſen. Deshalb gab ihr der Pfarrer den Rath, auf geiſtlichem Wege die Heilung zu verſu— chen u. verordnete ein neuntätiges Fa— ſten und eben ſo lange Andacht vor dem Altar der heiligen Märtyrer Phi— lophena. Gleich nach eintägiger Andacht verlor ſich die Entzündung des Auges und nach neun Tagen war die Fiſtel ſpurlos verſchwunden.— Das Faſten hat hier, wie ſchon oft, Wunder gethan!
Etwas von Allem. Ueber die deutſche Oper in London kommen nun von allen Seiten den früheren ganz ent— gegengeſezte Berichte. Die Oper gefällt, troz Schmetzer, Vöck u. ſ. w. durchaus nicht. Prinz Albert hat das Theater nur ein Mal beſucht und zeigte keine Luſt, den Beſuch zu wiederholen.— Auf dem Londoner Haymarket-Theater hat ein neues Trauerſpiel:„Glencoe, oder das Schikſal des Macdonald's“ außerordentliches Glük gemacht.— Das Theater in Laibach iſt Hrn. Ed. Neu—
feld(früher Direktor in Lemberg) auf 6 Jahre verliehen worden.— Meyer— beer wird in Wien erwartet.— Meyer— beers Ghibellinen ſind nun auch in Prag gegeben worden und haben vielen Bei— fall gefunden.— Im Melodiſtenklubb zu London erregte die viert hal b— jährige Tochter des Organiſten Vin⸗ na durch ihren richtigen Geſang, wozu ſie ſelbſt den Takt ſchlug, allgemeine Bewunderung. Die Virtuoſen in der Wiege, von denen bisher nur Satyri— ker phantaſirten, werden ſich endlich doch verwirklichen.— In Paris macht eine zwölfjährige Sängerin, Fräulein de Barge, Aufſehen.— In Wien, auf dem Glacis der Vorſtadt Landſtraße, wird ein neues großartiges Zollamtsge— bäude erbaut werden.— Ein Theil der Wien-Raaber Eiſenbahn wird noch im Herbſte dieſes Jahres befahren werden, und zwar, wie man vernimmt, zuerſt die Streke von Wiener-Neuſtadt nach Ba— den.— In Brüſſel hat man eine Schwind— lergeſellſchaft eu gros entdekt. Es ſind meiſt verſonen aus den höhern Klaſſen darin verwikelt. Die Geſellſchaft ver— fertigte falſche Kreditbriefe und hat be— reits im Ganzen etwa 9000 Pfd. St. erſchlichen.— Die Leipziger Literaten 5 die bekanntlich von dem dort veranſtalte— ten Jubel-Feſte der Erfindung der Buch— drukerkunſt ausgeſchloſſen wurden, wol— len nun auf eigene Fauſt das Feſt be⸗ gehen. Proſt der Mahlzeit!— Ueber Vaganinis Tod hört man nichts Nähe— res; es heißt, er habe Millionen hinter— laſſen.— In Paris herrſcht eine wahre Manie, um die Reiſe nach St. Helena, die Gebeine Napoleons zu holen, mit— zumachen. Da man in Varis den ſich zahlreich zur Reiſe gemeldeten jungen Leuten Schwierigkeiten machte, ſo wen— deten ſich dieſelben nach London, um ſich daſelbſt ein Fahrzeug dazu zu mie⸗ then.— In dem Elſterfluſſe bei Leip⸗ zig fand man dieſer Tage die Leiche des Buch händlers Paul B., dem wahrſchein— lich Lebensüberdruß zum Selbſtmord be⸗ wogen.— Der Tenoriſt Hr. Stoll ſoll wieder zu ſeiner Stimme gekommen ſein, und ſich darüber ſehr freuen.— Eine Geſellſchaft in England hat in den lezten zwei Monaten Geld zur Er⸗
bauung von dreiundachtzig neuen Schu⸗ len bewilligt.


