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und auf die der Emigranten übertragen. Ein Wort aus Ihrem Munde, Mada— me, kann mich wieder zum Franzoſen machen und mich den Meinigen zurükge—⸗ ben.“— Wäbrend der Unbekannte dieſe Bitte an Joſephine richtete, prüfte ſie mit ihren kleinen Fingern die Frucht, deren Stüke auf ihren Teller lagen. Die Schade war nirgends verſehrt.
„Mein Herr,“ antwortete ſie dem Emigranten,„ich werde thun, was Sie wünſchen; der erſte Konſul ſoll Ihre Bittſchrift ſehen, und Sie mögen ſich darauf verlaſſen, daß ich nichts verabſäumen werde, was zu Ihren Gunſten ge— ſchehen kann.“— Der Faſchenſpieler ſtand auf, ſtekte ſeine Becher in die Ta— ſcke, nahm den Tiſch unter den Arm, verneigte ſich bis zur Erde und entfernte ſich.—„Mein Herr,“ ſagte bierauf Joſephine zu demjenigen, der ihr den Wun— dermann zugeführt hatte,„Sie haben uns eine ſehr angenehme Unterhaltung verſchafft. Indeß darf uns dieſer Mann nicht verlaſſen; Napoleon muß ſeinen Namen von der Liſte ſtreichen laſſen. Dieſe Gunſt iſt Leuten zu Theil gewor— den, die weniger unterhaltend und weniger nützlich ſind. Ich werde dieſen Mann
berufen laſſen, wenn ich eines Wunders bedarf.“
Literatur.
Literariſches Portfolio. Vor hundert Jahren wurde, dem Schwä— biſchen Merkur zufolge, die Gedächt— nißfeier der Buchdrukerkunſt in Wür⸗ temberg nur in Tübingen gefeiert; Ulm war damals noch freie Reichsſtadt und Stuttgart, die Hauptſtadt des Landes, batte nur einen einzigen Buchhändler, den alten Metzler, der ſo ſchlechte Ge— ſchäfte machte, daß die Regierung, um ihn nur in der Stadt zu halten, ihm längere Zeit frei Quartier für ſeine Buchhandlung in der Kanzlei, und für ſeine Perſon Befreiung von Jagden und Frohnen geſtattete.— Heutzutage iſt Stuttgart für Buchhandel und Buch— drukerei, nach Leipzig und Berlin, der bedeutendſte Plaz in Deutſchland, und daß es ſich in dieſer Hinſicht einen ſo herrlichen Gewerbſtand geſchaffen, iſt zum großen Theil auch Folge der mil— den Cenſur. Es hat nun ſechs un d⸗ zwanzig Buchdrukereien(auf eine Bevölkerung von etwa 34,000 Ein- wohnern), zuſammen mit 102 Handpreſ—
Anſichten. Urtheile. B
(Veſchluß folgt.)
* egebniſſe. ſen, 7 Maſchinenpreſſen und 12 Schnell- preſſen; in den Offizinen ſind 500 Ge— hilfen angeſtellt; die Zahl der Bu ch— handlungen iſt noch größer; ſie beläuft ſich auf acht undzwanzig; Buch⸗ binder 48, mit 80 Gehilfen: Die Anzahl der Männer, ohne welche die Erfindung der Buchdrukerkunſt unnüz wäre und denen Buchdruker, Vuchhänd— ler und Buchbinder ihre Exiſtenz faſt ausſchließlich verdanken, die Schriftſtel— ler, ſind in Stuttgart gleichfalls in nicht geringer Anzahl vorhanden. Im Jahre 1772, gab es deren nur drei— ßig; im Jahre 1840 aber nicht weni—⸗ ger als zweihundert neunund⸗ vierzig; diejenigen Redakteure und Mitarbeiter an den Tageblättern, wel⸗ che keine eigene Bücher geſchrieben ha— ben, ſo wie die, welche nur Diſſerta— tionen u. Progrmame geſchrieben haben, ausgenommen. Es befinden ſich unter denſelben viele ausgezeichnete Namen.— Wer in dem auf ſehr grauem Papier gedrukten Büchlein:„Aus den Memoi— ren einer Fliege, herausgegeben von Dr. A. L. Gial“, kräftigen und geſunden


