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Der Spiegel
für Runſt, Eleganz und Mode.
—— 5 Dreizehnter Jahrgang. Halbjähriger Preis à fl., mit Poſtverſendung 5 fl. Auf Velinpapler mit erſten Kupferabdrüken
5 fl. u. poſtfrei 6 fl. C. M.— Man pränumerlirt im Kommiſſiensamt zu Ofen Feſtung, außerhalb des Waſſerthors), in C. Millers u. J. Wagners Kunſthandl. in Peſth u. bel allen k.k. Poſtämtern.
47. Mittwoch, 10. Juni. 1840. ä
Zer Scharfrichter. (Beſchluß.)
Der impoſant Verhüllte trat einen Augenblik zu ihr und drükte einen Kuß auf die Stirn hülle; dann wieder an ſeinen alten Plaz tretend, ſprach er mit tiefer Stimme, die in dem hohen Gewölbe dumpf wieder hallte:„Knie nie⸗ der und empfange deine gerechte Strafe!“ Zugleich winkte er dem Scharfrichter, Die ganze Procedur hatte den Anſtrich einer gerichtlichen Handlung. Das bereits auf dem Sandhaufen niedergekniete Opfer hatte gegen den Todesſpruch nur aus ſeiner düſtern Verhüllung mit einem dumpfen Schluchzen geantwortet, und der von Gefahren umgebene Scharfrichter, der ſelbſt nicht wußte, was ihm vielleicht noch bevorſtand, von jener gebietenden Erſcheinung unwillkürlich beherrſcht, er— hob mechaniſch das Schwert und ermannte ſich zu der gewohnten Handlung.— „Gott!“ rief er aus,„nicht über mich, ſondern über die, die dies Urtheil ge⸗ ſprochen haben, laſſe, wenn unſchuldig, dies Blut ſchreien, ſo wahr ich der ge⸗ zwungene Vollſtreker ſein muß!“ Da ziſchte die ſchwere Klinge; der Kopf des Opfers von Rumpfe getrennt, rollte im Sande, und in hohen Blutſäulen ent⸗ ſtrömte der Lebensquell. Ermattet von dem mächtigen Andrang der ſo lange


