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dene Liebesgeſchichte entwikeln ſehen. Die Darſtellungsweiſe des Verfaſſers iſt ſo leben— dig und phantaſiereich, daß wir uns lebhaft an Ort und Stelle verſezt glauben, u. zwar wird uns oft durch den darin herrſchenden lebensluſtigen Epiturääsmus der Mund wäſſe— rig gemacht. Auch wurde dleſe kleine Erzäh— lung einen recht artigen Luſtſpielſtoff geben, vielleicht ſindet ſich ein zweitee Clauren hiezu. — Zu wünſchen wäre eine ſorgfältigere Kor— rektur igeweſen; beſonders leidet der kleine engliſche Dialog an einigen korthograpbiſchen Fehlern.— Das Büchlein iſt in allen Buch— handlungen Peſth's à 10 kr. C. M. zu haben. Den Reinertrag beſtimmt der Verf. für die Abgebrannten in Baja. Möge er reichen Ab— ſaz haben! —
Muſikallſches.(Kompoſition eines Blinden.) Gefühlvollen Leſern dürfte es wohl von Intereſſe ſein, zu erfahren, daß die von dem blinden Zöglinge des ungar. Natlo— nalblindeninſtituts Math. Nerity kempo— nirten u. in den Bällen im ung. Theater am 29. Febr. und 2. März d. J. mit vielem Bei⸗ fall aufgeführten Walzer ſo eben im Druk erſchienen find. Sie betiteln ſich:„Hermi— nen- Walzer“ fur das Pianoforte, und ſind dedizirt J. k. k. Hoh. der durchlauchtigſten Prinzeſſin Hermine, Erzherzogin von Oe⸗ ſter reich ze. de. de. Dieſe Walzer haben eben ſo originelle als anmuthige Weiſen und es tanzt ſich recht komfortabel darnach. Wir em— pfehlen ſie allen Freunden der Tanzmuſik, ſo wie auch allen Men ſſchen freunden, da der Ertrag für den bereits ausgetretenen blinden Zoͤgling beſtimmt iſt. Die Ausſtat— tung iſt ſehr preiswürdig. Der ſehr ſaubere Kupferſtich des Titelblattes iſt von dem vor— theilhaft bekannten Kupferſtecher Hen. Kohl— mann in Peſth, der ſich dieſer Arbeit in Berükſichtigung des edlen Zwekes unentgeltlich unterzog und den Druk des Blattes auf ei— gene Koſten beſorgte.— Die Walzer ſind in Grimm's Kunſthandlung in Peſth zu haben, die die Güte hatte, den Kommiſſions-Verkauf unentgeltlich zu übernehmen.
—— Hebe's Kiosk. unter dieſer Benen— nung hat Hr. Zukerbäker Füſcher in Peſth, der ſchon ſo viele Proben ſeines geläuterten Geſchmatkes und ſeiner ſinnigen Er ſindungs— gabe ablegte, ſo eben eines der nledlichſten u.
anmuthigſten Stabliſſements eröffnet, das un— ſerer Stadt eben ſo ſehr zur Zierde gereicht 15 als ihren Eoferſchung ſuchenden Bewohnern ein hochſt willkommenes Aſyl darbietet.„Klost“ it, laut Konverſationslexiton, ein Wort tüe— ti ſcher Abſtamwung und bezeichnet ein von allen Seiten offenes und freiſtebendes Gar— tenhaus mit einem Zeltdache ze. Man erbaut es von Holz, Stroh oder ähnlichen Materia- lien, und legt es beſonders deshalb an, um in Schatten eine freie Ausſicht zu genießen.“ Der Kiost des Hen. Fiſcher auf dem Servit— tenplaz in Peſth, gleicht zwar nicht ganz dleſer Beſchreibung, iſt aber ſo elegant, ſo nett, ſo mit allen Reizen ausgeſtattet, daß er weder in Konſtantinopel, noch in Paris oder Wien einen Rivalen zu ſcheuen hätte. Aber Alles übertreffen die darin gebotenen Erfriſchungen. Das iſt ein Eis, wie man es weder am Nordpol noch bei Tortont ein Paris oder Ste— bely in Berlin genießbarer ſindet. In der That, das ſind wahre Erquikungen und in— dem ſie das Geblut erfriſchen, erweken ihre Woblgerüche und ihre Formen äſthetiſche Ge— nuſſe. Wahrlich, Herr Fiſcher ſorgt fur den Geſchmak in jeder Beziehung. Jeder, der die— ſen reizenden Kiosk beſucht, wird uns dies zugeſtehen.— Schließlich entſpecchen dieſer Erfriſchungs-Anſtalt auch die ausgegebenen Annoncen. Der Drut derſelben iſt ſo voll Ele- ganz, wie ihn nur die v. Landerer'ſche Buch— druterci zu liefern im Stande iſt.
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Neues Blerhaus. Wie haben in dieſen Blättern bereits erwähnte, daß der Hr. Bräumeiſter Neswarba in Peſth im Be— griffe iſt, ein neues Bierhaus, am Ende der Konigsgaſſe, nächſt der neuen Schießſtärte, herzuſtellen, dad allen Anforderungen, die man an ſolche Etabliſſements zu ſtellen be— rechtigt iſt, entſprechen ſoll. Dieſes Bler— haus, das dieſen Namen im wahren Sinne des Wortes verdient, und das den Exſinder des Trankes aus Gerſtenſaft:„Gambr l nus“ zum Schilde führt, wird nächſten Montag, den 1. Juni, Nachmittags eroffnet. Dieſe Eröffnung wird eben ſo ſolenn als mit einem Akte der Wehlthätigkeit vor ſich gehen. Das beſte, friſcheſte, abgelegenſte Märzenbler, ſo wie ſchmathafte Speiſen werden den Gä— ſten vorgeſezt werden und ein wohlbeſezles Orcheſter, unter der Leitung des Hrn. Mu- ſitdirettors A. Zohls, wird auch fur einen angemeſſenen Ohrenſchmaus bedacht ſein. Hr⸗ Zöhls wird ſeine neueſten hiezu eigends kom- ponirten Walzer, betitelt„Gambrinus⸗Wal⸗ zer“ vortragen. Entece iſt 10 kr. C. M.— Der Ertrag aber iſt von dem Eigenthumer, ſo wie von Hen. Zohls fur die Abgebrannten in Baja beſtimmt worden. Alſo gutes Bier, Untechaltung und Wohltbätlgteit!!
Mlodenbild. Uro. 22 Paris, 15. Mal. Hüte von Relsſtroh und Poult de Soie.— Ueberrot mit Poſamen⸗ tirarbeit garnirt.— Shawl mit modelirten Franſen garnirt.
Herausgeber und Verleger Franz Wieſen.


