Jahrgang 
Band 1 (1840)
Seite
351
 
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entvölkert ſein. Alles eilt auf's Land, und beeilt ſich ſeine Vorräthe für die bevorſtehende Saiſon, die man auf ſeinem Schloſſe, ſeinem Landhauſe, oder auch nur einfach auf ſeiner in der Nähe von Paris gemietheten beſcheide nen Eremitage zuzubringen gedenkt, anzu ſchaffen. Dieſe Vorräthe müſſen vorſichtig ge wählt werden, damit ſie im Einklange mit der Stellung, die man einnimmt, ſeien. Man braucht nicht reich zu ſein; aber ſelbſt bei ei nem ſpärlich zugemeſſenen Vermögen kann man ſich als Dame von Geſchmak zeigen, und die einfachſte Perſon muß bei der Wahl ihrer Kleidung die Rathſchläge der Mode in Anſpruch nehmen. Hören wir, wie man ſich jezt in der Stadt u. auf dem Lande am vorzüglichſten kleidet.

2. Die Hute werden immer kleiner ge macht und einfach verziert. Wir eitiren ci nen artigen Hut ven ſmaragdgrünem gros d' Afrique u. einen grazlöſen weißen Krepp hut mit einem Bouquet gelber Violen geziert.

3. Die gebauſchten Kapoten ſind im Ver fall; der Wind u. der Staub machten ihnen den Prozeß. Man hält ſie indeſſen noch nicht für abgeſtorben und man prophezeihet ihre Rutkehr.

4. In die Form der Kleider ſcheint eine wichtige Veränderung eintreten zu wollen. Man ſieht hin und wieder welche, die etwas weniger lang als früher ſind. Man glaubt aber, daß ſich dies nur auf Promenadenklei der beſchränken würde; in den Salons und bei Feſtlichkeiten werden die langen Kleider jedenfalls beibehalten.

5.Meine Großmutter ſagte mir einſt, erzählt derFlitterkram(Name eines Pariſer Modejournals),daß eine honnette Frau ihrer Zeit ſieben Unterröke tragen mußte. Das iſt ein wenig überladen für die Saiſon. Aber eine Dame nach der Mode muß heutzu tage wenigſtens ein Duzend zur Auswahl ha ben. Man hat in Paris ſehr artige von ge ſtiktem Batiſt zu Frank.

6. Die geſtitten Spenzer mit drei Reihen Deſſins und die Fichus à la paysanne ſtheilen ſich in der Beliebtheit unter den Tagsphan

taſien. 5 7. Auf lichten oder ganz weißen Mouſſe

lintleidern ſteht nichts ausgezeichneter, als eine Binde von ſchönem weißem breitem Ban de mit farbigen Streifen, deren Zwiſchen räume mit Blümchen beſäet ſind.

8. Die ſchottiſchen Schärpen ſind ganz all gemein und populär geworden.

9. Die Bänder ſpielen in dieſem Jahre eine Hauptrolle. Sie werden überall, wo nur ſchitlich, angewendet.

10. Die Schnupftucher mit aufgelegten Spizen ſind noch in der Mode. Der Preis 20 bis 25 Frank. u. auch darüber pr. Stük.

11. Man tragt ruſſiſche Halbſtiefelchen, oder gefirnißte Schuhe und dazu Strümpfe von ſchettiſchem Zwirn.

12. In der Stadt bedient man ſich der kleinen Handſchirme; größere hat man auf dem Lande; den Fächer in den Salons.

Lokal-Zeitung. Theatraliſches. Auf der Peſther Bühne erwarten wir eine intereſſante Novi tät von Hrn. v. Frankenburg. Er hatte den glüklichen Gedanken, die hier verunglükte Weberſche OperOberon zu parodiren und das Stut wird als Benefiz des hochbeliebten Komikers Herrn Rott, unter dem Titel: Obenan, Zechmeiſter der Elfer mit allen zu der OperOberon beſtimmten Dekorationen in die Szene gehen. Die Paro die ſoll hochſt gelungen ſein, und man ver

ſpricht ſich daher viel Ergözliches.

Die ſchon erwähnte, in Wien mit ſo ungewöhnlichem Beifalle aufgenommene zwei aktige Poſſe mit Geſang v. Kaiſer:Die nſt botenwirthſchaft kommt morgen in der Ofner Arena, zum Beneſiz des Hrn. Regiſſeurs Seydl, zur erſten Aufführung. Wir garantiren dem Publikum einen recht vergnügten Abend.

5 Ernſt's leztes Konzert.

Das dritte und lezte Konzert des Violin Virtuoſen H. W. Ernſt ſindet Morgen um die Mittagsſtunde, im Redoutenſaal ſtatt. Es iſt kaum zu zweifeln, daß Jeder, dem nur ein Funken Muſik im Gemüthe glimmt, dieſe Gelegenheit nicht verſäumen werde, um den nächſt Paganini größten aller Violinſpieler anzuhören und zu bewundern.

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Literariſches. So eben erſchien: Die Reiſe von Poſth üs Ba und die Braut auf der Donau. Humoreskes Reiſebild von Anton Ben ker t. Eine ſehr kleine Brochüre, aber voll des anziehenden Inhaltes. Der Schauplaz iſt auf einem Dampfboote, woſelbſt wir ein Paar gut gezeichnete und gehaltene Charaktere ken nen und lieben lernen und eine artig erfun