Jahrgang 
Band 1 (1840)
Seite
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Berlin. Hier macht ein Schnei der, Namens Jean Brand, Nachſtehen

des bekannt:Um dem vielſeitig ge-

hegten Wunſche nachzukommen, u. mei nem Unternehmen einen ſchnelleren Fort gang zu verſchaffen, füge ich noch zu dem jährlichen Abonnement von 50 Tha lern(wofür ich jeden Monat einen An zug liefere) alle zwei Monate einen Ge ſellſchafts-Anzug, beſtehend in Leibrok Beinkleid und Weſte, hinzu. Nach träglich bemerke ich noch, um alle Zwei⸗ fel über die Anfertigung eines Rokes aus bis 2, Ellen zu heben, daß ich, wenn der Herr klein iſt, ſogar einen Rok, regelrecht und nicht geſtükt, aus 2% Ellen anfertige, und kann ich dies aus dem Grunde, weil ich mit einem geringen Nuzen zufrieden bin, u. mei ne Bedürfniſſe nicht ſo hoch ge ſtellt habe.

Etwas von Allem. In Stutt- gart iſt am 13. Mai zum erſten Male der Verſchwender von Raimund ge⸗ geben worden, und hat ſehr gefallen. Herr Döring gab den Azur. Der engliſch-ausländiſche Mäßigkeitsverein feierte am 2. Mai zu London ſeine neunte große Jahreszuſammenkunft. Es wurden bei dieſer Gelegenheit von den Mitgliedern mehrere Reden gehalten, worunter man auch Hrn. Dr. M. Ro ſenthal aus Peſth bemerkte. Roſſini, der in Bologna ſchwer erkrankt danie der lag, iſt nun wieder hergeſtellt. Im Wiener Burgtheater iſt ein neues dramatiſches Gedicht:Ines de Caſtro von einem ungenannten Verfaſſer mit getheiltem Beifall gegeben worden. In München klagte neulich eine Frau ihren Mann des verſuchten Todtſchlags an, indem er ihr Hufeland'sKunſt, das menſchliche Leben zu verlängern an den Kopf geworfen habe. Der Mann vertheidigt ſich damit, daß ſeine Frau

ihn vorher mit dem Buche: Elfe;

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das Weib wie es ſein ſoll auf ähnliche Weiſe regalirt habe. Der Richter em pfahl den beilen Eheleuten Knigges Umgang mit Menſchen. Der Dichter Steffens in Berlin iſt von dem Könige von Dänemark durch ein eigenhändiges Schreiben eingeladen wor den:beim Feſte ſeiner Krönung ſein Gaſt zu ſein. Im Kanton Luzern in der Schweiz hat der Pfarrer von Schüpfheim zur Bekämpfung des Brann weintrinkens in ſeiner Gemeinde eine Bruderſchaſt zum nüchternen Leben geſtiftet. Der Taglioni ha ben ſie bei ihrem Abſchied aus Wien wieder die Vferde ausgeſpannt, und an dere eingeſpannt. Franz Dingelſtedt hat ein Trauerſpiel geſchrieben:das Geſpenſt der Ehre. England zählt gerade ſo viel Schafe, wie Deutſchland Menſchen, nämlich 32 Millionen. Am 21. Mai iſt im Theater an der Wien eine neue Poſſe von Neſtroy: der Erbſchleicher, gegeben worden. Die Wiener Blätter geſtehen, daß esein miß⸗ lungenes Produkt iſt, loben aber dennoch Hrn. Neſtroy! Auf Veranlaſſung des Hru. Bäuerle ward im Theater an der Wien, zum Beſten der Abgebrannten in Gänſerndorf, Schiller'sRäuber ge⸗ geben, wobei die Herren Lewe(Karl) und Laroche(Franz), k. k. Hofſchau ſpieler, dann Mad. Dahn(Amalie), k. baier. Hofſchauſpielerin, mitwirkten. Viktor Hugo ſoll von Hru. Thiers er ſucht worden ſein, eine Ode auf die Beiſezung der Aſche Napoleon's zu dich ten. In der Pariſer Oper werden neu und prachtvoll in die Szene ge ſezt: Mozart'sDon Juan, Sponti⸗ ni'sCortez und Roſſini'sMoſes. Ebendaſelbſt erwartet man Olle. Heine⸗ fetter(Sabine?) ats Gaſt. Ein Va⸗ riſer Blatt ſagt eine traurige Wahr heit:Man kann ein unendliches Ta⸗ lent haben und doch ein ſchlechtes Stük ſchreiben, dies ben eiſenCoſima(von

Georges Sand), undVautrin(von Balzac).