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Gato und ven da an Bord eines engliſchen Schiffes bringen, das in jenen Ge— genden ſtationirte. Muthvoll und kaltblütig erwartete er ſein Verſcheiden. Dem
Kapitän des Schiffes trug er auf, ſeiner
Frau einen werthvollen Amethiſt zu
uͤberreichen, ſchrieb dieſer treuen Seele, die ihm in böſen wie in guten Tagen
zur Seite geweſen war, noch einen Brief
und hauchte, als er ihn vollendet
hatte, ſeine lezten Seufzer aus.— Er ward am Stamme eines großen Baumes
begraben; die Stelle, wo er ruht, in engliſcher Sprache:
bezeichnet ein Stein, mit folgenden Worten Hier ruht Belzoni, der an dieſem Orte
auf der Reife nach Tombuctu am dritten Dezember 1828 ſt a r b.
Belzoni war erſt fün fundvierzig
Namen neben den berühmteſten Reiſenden erworben.
dem Rathhauſe ſeiner Vaterſtadt
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Theater.
Pe ſt h.(Gaſtſpiele des Hrn. Moriz Nott.) Am 19. d. M. ſahen wir den geehrten Gaſt als Macbeth in der Shakſpeare⸗Schiller'ſchen Tragödie. Tiefe dramatiſche Studien bekundete Hr. Rott in jeder Szene; der Charak— ter des ehrgeizigen, tapfern und durch Gewiſſensfurcht feigen Helden war mit ſicherer Hand erfaßt und vollendet in der Durchführung. Unübertrefflich ward die Schlußſzene des 1. Aktes, wo der grauſe Mord beſchloſſen wird, ergrei⸗ fend die Mordſzene ſelbſt und erſchüt⸗ ternd die Tafelſzene geſpielt. Das herr⸗ liche ſonore Organ begeiſterte durch rich— tige Deklamation, die äußere Erſchei⸗ nung gewann durch die ſchöne Bühnen— geſtalt des Künſtlers u. ſeine mit vor⸗ züglicher Achtſamkeit überwachten male— riſchen Stellungen. Die Leiſtung fand ſtürmiſchen Applaus.— Lady Macbeth ward von Mad. Kalis⸗Padjera mit wahrer Kunſtvollendung gegeben; auch hier zeigte ſich ein durch Studien her— vorgerufenes, inniges Verſchmolzenſein mit der Fantaſie und dem Charakter des Dichters; das eitle, von Ehrſucht irre geleitete Weib, das am Schluſſe ſich ſelbſt als die Quelle alles Unheils
ſichten. Urtheil
Jahre alt, und hatte ſich ſchon einen Eine Bildſäule iſt ihm auf
Padua errichtet worden.
e. Vegebniſſe.
betrachten muß, fand in der beliebten Meiſterin eine effektvolle Repräſentan— tin. Die übrige Darſtellung ging ziem— lich gerundet.— Die vierte Gaſtrolle RNott's war Wallenſtein(am 21. d.), über die wir im nächſten Blatte Nähe— res berichten werden. Semper idem.
Muſik.
Peſt h.(Erſtes Konzert des Violinvirtuoſen Ern ſt.) Wozu vieles Wortgepränge, das doch immer nicht ausreichen würde, um ein Bild des Außerordentlichen zu geben— wir fallen alſo mit der Thüre ins Haus u. referiren im entzükendſten Enthuſias— mus: der Erfolg war glänzend— man hatte viel, ſebr viel erwartet u. wurde überraſcht— es iſt das Non plus ultra mechaniſcher Fertigkeit in der Vehand— lung des ſo ſchwierigen Inſtrumentes— es iſt das innigſte Verſchmerzen der In— dividualität dee Künſtlers mit ſeinem Kunſtvortrage. Ev nſt ſpielt mit Leib und Seele— er iſt ganz durchdrungen von der reizenden Gewalt der Töne.— In holder Begeiſterung ſcheint ihm Apol— lo ſelbſt den Bruderkuß auf die Stirne gedrükt zu haben.— Ernſt lebt durch die Kunſt, ſie iſt ſeine Seele und ſeine


