Jahrgang 
Band 1 (1840)
Seite
331
 
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331 beiten begonnen, und nach wiederum drei mühevollen Monden ſteht das Oenk mal frei da, und wird an das Ufer des Nils geführt.

Die Einſchiffung dieſer ungeheuren Maſſe bot wiederum Schwierigkeiten dar, faſt nicht geringer, als die, welche bei ihrem Ausgraben und ihrem Trans porte zu überwinden waren. Belzoni's Muth und Beharrlichkeit mußten aber alle Hinderniſſe weichen, und er brachte ſeine dem Sande der Wüſte, den Wel len des Nils abgetrozte Eroberung glüklich nach London. Mit Lob überhäuft und reich beſchenkt kehrte Belzoni jezt, als ein wichtiger, geehrter Mann, nach Egypten zu ſeinem Wohlthäter zurük. Salt ſchlug ihm vor, im eigentlichen Egypten den Tempel von Ebſambolum, der faſt bis an ſeine Gibel in Sand vergraben lag, davon zu befreien. Belzoni ging darauf ein, wagte ſich durch Räuberhorden, die ſtets in den Wüſteneien jenes Landes hauſen, ward aber reich lich für ſeinen Muth und Ausdauer belohnt, denn ihm gelang nicht allein der eigentliche Zwek ſeiner Reiſe, ſondern er war auch ſo glüklich, den Tempel von Alhor zu entdeken. Dieſer Tempel war ganz im Sande begraben und Niemand wußte das Geringſte von ſeinem Daſein. Rhamſes des Großen Gemahlin ſoll ihn der Iſis erbaut haben. Vier ungeheure Säulen, eine jede einundſechzig Fuß hoch, ſtehen vor der Fagade. Acht andere Säulen, jede von achtundvierzig Fuß Höhe, ſtüzen die erſte große Eingangshalle. Großartige Basreliefs enthalten die ganze Geſchichte von Rhamſes und ſechzehn andere Säle ſind voll Bildwerke und Statuen. Von dieſer Entdekung eilt Belzoni zu einer andern; es gelingt ihm, ein unterirdiſches Gewölbe aufzufinden, das einen prachtvollen marmornen, mit Hieroglyphen bedekten Sarkophag enthält. Dieſen Sarkophag läßt er an's Ta geslicht befördern und nach Europa ſchaffen. Die Gelehrten ſtreiten ſich noch dar⸗ um, ob in dieſem Sarkophage dieſer oder jener Pharao ſeine lezte Ruheſtätte gefunden habe. Belzoni ſezt ſeine kühne Wanderſchaft indeſſen weiter und wei ter fort; weilt in den Ruinen von Berenice, kommt darauf nach Cairo zurük, leitet die Ausgrabungen am Fuße der großen Pyramiden, dringt in die Pyra mide Chegren ein, die vor ihm noch keines Europäers Fuß betreten und entdekt das heilige Gemach, wo die Gebeine des Ochſen Apis ruhen. Wo nur Egypten der Beachtung werthe Denkmäler aufzuweiſen hat, iſt Belzoni bemüht zu ſam mehn und Neues zu entdeken. Zwei Führer, die ihn auf einſamem Pfade ermor den wollten, erwürgte er mit ſeinen kräftigen Armen. Endlich kehrte er, von ſeiner Frau begleitet, die faſt auf allen gefahrvollen Reiſen ſeine Gefährtin war, nach Padua zurük.

Der Sohn des armen Varbiers iſt zum reichen und berühmten Manne ge worden. Ein feierlicher Empfang wird ihm in ſeiner Vaterſtadt zu Theil; die Behörden begrüßen ihn an den Thoren der Stadt, die er vor dem, ein armer Burſche, verlaſſen, und der berühmte Manfredini wird beauftragt, eine Denk- münze zu prägen, damit das Andenken des berühmten Reiſenden auf die Nach welt komme. Indeſſen wird er nach England berufen; wie in ſeiner Vater ſtadt, ſo warten auch in London ſeiner Ehren und Auszeichnungen aller Art. Er gibt dort unter dem Titel:Narrative of the operations and recent dis- coweries with the pyramides, temples, tombes and excavations in Egypt and Nubia etc. die Veſchreibung ſeiner Reiſen heraus, die in allen Kreiſen die auf merk ſamſten Leſer findet. 1828 reiſte Bel zoni zum dritten Male nach Egyp ten, ein Jahr ſpäter erkrankte er in Benin tödtlich. Er ließ ſich ſogleich nach