Jahrgang 
Band 1 (1840)
Seite
312
 
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denznachricht in der Frankfurter Didas kalia ſagt, daß Schindelmeiſſers Nati o nal operSzapary im Peſther ung. Theater gegeben wird. Gut unterrichtet!

Lokal-Zeitung.

Theatraliſches.Ein Drama ohne Titel! So betitelt ſich ein Stüͤt in 5 Akten, nach St. Hilaire v. Forſt u. Leutner, das am 5. d. M. im pPeſther Theater zum erſten Male gegeben wurde, und das man nach dieſem negativen Titel für eine Poſſe halten ſollte, die uns aber immer ernſthafter und ernſthaf ter vorkömmt, unſer Intereſſe immer mehr erregt, durch ſpannende Situationen unſere volle Aufmerkſamkeit in Anſpruch nimmt und durch einen frappanten Schluß uͤberraſcht. Der überrheiniſche Charakter läßt ſich hier nicht verläugnen, ein gefälliger leichter Dialog, nicht allzu gewöhnliche Charaktere, mitunter grellere Färbung u. Bühneneffetkt das ſind die Vorzüge dieſes titelloſen Dramas, an dem ich eben nichts als den Titel zu tadeln habe, der die moderne Originalitätsſucht nur auf zu lächerliche Weiſe durchbliken läßt u. wahr lich zwei Autoren benöthigte, um in ſolcher Genialität zu prangen. Die Aufnahme war ſehr beifällig; geſpielt wurde von den Damen Grill und Müller ganz vorzüglich, eben ſo ehrenvolle Erwähnung verdienen die Herren Dietrich, Kalis und Poſinger. 8

Die ſpaniſchen Nationaltänzer amüſi ren fortwährend im ungar. Theater. Es iſt ein guter Gedanke, daß ihre Produktionen mit Opernvorſtellungen, worin ſtets Mad. Schodel exzellirt, verbunden werden.

Die Sängerin Mad. Vial aus Mün chen wird hier erwartet.

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Eren ſt.

Der berühmte Virtuoſe Erenſt, der nach dem Ausſpruche aller kompetenten Kunſtrich ter, nächſt Paganini der erſte Violinſpfeler unſerer Zeit iſt, trifft in einigen Tagen in peſth ein und wir haben daher Kunſtgenüſſe der ſeltenſten Art zu erwarten.

Die alte, ächte Kaffequelle. Jedermann kennt dieſe reiche warme Quelle in der Badgaſſe in Peſth, woraus ſeit ihrem

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Entſtehen ſchon ſo viel nektariſche Flüſſigkeit geſprudelt, daß man damit in dieſer Gaſſe eine zweite Badeanſtalt ctabliren konnte, wenn man nicht lieber dieſen gebrannten Saft aus ächten Moccabohnen zum wohlthätigen inneren, Gebrauche verwendet hätte. Ja, das Kaffehaus des Hrn. Legrandzur Kaffe quelle ward nicht nur den zahlreichen Verehrern dieſes ſo geſunden und beliebten Getränkes zur wahren Quelle der Behaglich keit und Wohlgeſchmakes, ſondern auch dem glutlichen Beſizer zur Quelle der Gemächlich teit und Wohlſtandes. Hr. Legrand hat ſich von ſeiner unermüdliche fleißigen und umſichti gen Geſchäftsführung zurükgezogen, um end lich die Früchte ſeiner Aemſigkeit in Ruhe zu genießen, und hat an Hrn. Wer ſak einen cüſtigen und würdigen Nachfolger gefunden. Auch jezt erhält man in derKaffequelle ein ächtes, preiswürdiges, unverfälſchtes Getränk. Man labt ſich nach wie vor an dem Geſchma te und dem Wohlgeruche des in anſehnlichen Portionen gereichten Kaffes, den man mit einer hinlänglichen Quantität Zuker verſüßen und davon noch etwas für die Hauswirthſchaft erübrigen kann. Man ſollte aus purer Ocko nomie hier Kaffe trinken. Das Kaffehaus iſt aber auch eines der frequentlrteſten in Peſth, meiſt von ſehr gewählter Geſellſchaft u. man lobt die gute zuvorkommende Bedlenung, die zahlreichen Zeitungen und Journale in allen Sprachen und Formen, vor Allem aber die freundliche Erſcheinung am Kaſſatiſche.

Vom Muſik verein. Der peſther u. Ofner Muſitveren wlktd ſeine ſechſte u. lezte Kunſtdarſtellung im laufenden vierten Muſikjahre Sonntag, den 17. Mal, Nach mittag, 4 Uhr, im Peſther k. ſt. Redoutenſaale, veranſtalten, worin mehrere Tonwerke vorge tragen werden. Die Eintrittskarten werden den p. t. Vercinsmitgliedern, wie gewohnlich, am 15. und 16. zu Peſth bei Hen Vereins- taſſier A. L. Klauß(em k. ſt. Theatergebäude), dann zu Ofen bei Hrn. Em. Miletz(Feſtung, Schnittwaarenhandlungzum Brief) am Tage der Aufführung aber in der Vereins- tanzlei(peſth, große Brükengaſſe, im von Parkfrieder'ſchen Hauſe, 1. Stok, rükwärts im Hofe) verabfolgt.

Beilage:Der Schmetterling. Re. 12

Herausgeber und Verleger Franz Wieſen.