Jahrgang 
Band 1 (1840)
Seite
297
 
Einzelbild herunterladen

3

B N

.

7 0

Der Spiegel

für Mun ſt, Eleganz und Mode.

Dreizehnter Jahrgang.

Kalbjähriger Preis 4 fl., mit Ppoſtverſendung, 5 fl. Auf Velinpapier mit erſten Kupferabdruten 5 fl. u. poſtfrei 6 fl. T. M'. Man pränumerirt im Kommiſſlonsamt zu Ofen Feſtung außerhalb des Waſſerthors), in C. Millers u. J. Wagners Kunſthandl. in Peſth u. bew allen k.k. Poſtämtern.

38. Sonnabend, 9. Mal. 1840.

* 2

Miß mar y. (Beſchluß.)

Ich befragte den uns begleitenden Arzt des Hoſpitals um die näheren Umſtände dieſer Unglüklichen und er erzählte mir in kurzen Umriſſen Folgendes: Miß Mary war als eines der ſchönſten Mädchen Londons bekannt; die ganze junge Männerwelt buhlte um ihre Gunſt, Jeder glaubte ſie zu erringen und doch hatte ſie Keiner beſeſſen. Die vielfach dargebrachten Huldigungen ſchmei chelten der Eitelkeit des kleinen Venusköpfchens, dem jungen unerfahrnen Mäd chen fehlte die weiſe Leitung einer verſtändigen Mutter, unter deren ſorgſamen Bliken ſie den gefährlichen Schlingen entgangen wäre, denn Mary's Mutter war ein einfältiges Weib, das in den Triumphen der Tochter ſeine eigene Ver herrlichung zu finden glaubte. So wurde Mary eine Kobette! Nur mit ihren Eroberungen wußte ſie zu prahlen; anfangs begünſtigte ſie jeden neuen Bewerber, um ihn deſto feſter zu feſſeln und dann zurükzuweiſen und mit dem Triumphe ſich zu brüſten:Auch dieſer hat mir gehuldigt! So mancher ge⸗ fühlvolle Mann, deſſen Sinne des Mädchens Reize beſtrikt hatten, ward von ihr dann verſpottet und ausgehöhnt; ſie machte ſeine Liebe zum lächerlichen