Jahrgang 
Band 1 (1840)
Seite
282
 
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Mein Herr, ich fuͤhle mich nicht verpflichtet, Ihren Schulmeiſter zu machen, ſagte Alfred mit verachtendem Tone, aber es ſchien, alt ob ihm die Zähne an einander ſchlugen.

In Mitte des ländlichen Feſtes ſtörte der plözliche Ruf:Feuer! die Un⸗ terhaltung. Der Horizont röthete ſich Rauchwolken ziehen über die Bühne der Pachthof brennt. Wie Spreu ſtäubt die Schaar der Gäſte auseinan der; nur Francois ſteht allein noch auf der Bühne, von dem plözlichen Schlage des Geſchikes ganz betäubt, eben will er ſich entfernen, als ein Mann, der un ter dem Arme eine Schatulle und in der Hand ein Piſtol trägt, aus dem brennenden Hauſe ſtürzt. Dieſer Mann iſt kein Anderer als der verdächtige Gaſtfreund des Bräutigams, der ihm ſeine Gaſtfreundſchaft mit Brandlegung und Raub vergilt; François erkennt ihn und foedert ſein Eigenthum zurük, der Näuber lacht und droht, wenn er ihn nicht ungehindert ziehen laſſe, wolle er der Welt Dinge in die Ohren ſchreien, daß ſie ſich darüber entſezen müſſe. Ver zweifelnd ergreift Frangois das Grabſcheit eines Gartenarbeiters und dringt auf den Mordbrenner ein; dieſer drükt ſein Piſtol auf den Angreifenden ab und entflieht. Der Vorhang fällt.

Dieſes Stük iſt entſezlich! ſagte die Wittwe aufſtehend zu ihrem Ge liebten,und Sie ſcheinen davon ſehr unangenehm berührt zu ſein, Alfred, fürwahr ich finde, daß die Vorwürfe, die man unſerer Nation macht, daß ſie an Greulſzenen und blutigen Dingen ſo vielen Gefallen findet, nicht ungegründet ſind. Laſſen Sie uns gehen. Der Doktor hielt die Dame zurük und drükte Sie ſanft auf ihren Stuhl nieder:Nicht, doch, theure Kouſine, die Entwiklung, die ſo nahe iſt, dürfen Sie nicht verſäumen Sie werden in der That davon überraſcht werden. Die Haare Alfreds ſtanden zu Berge, die Augen wollten faſt aus ihrer Höhle treten, und wenn ein Blik den Tod brin gen könnte, wie alte Mährchen erzählen, Hubert hätte ausgelebt; ſo furchtbar war der Blik, den ihm ſein Nebenbuhler zuwarf. Er knirrſchte, murmelte etwas zwiſchen den Zähnen und ballte krampfhaft die Fauſt, doch ſezte er ſich wieder auf ſeinen Plaz. 4

Die Vorſtellung begann aufs Neue. Die Szene zeigt das verheerte Pach terhaus. Der Brand iſt gelöſcht, und alle Anweſenden ſind theilnehmend um den Bräutigam verſammelt, der, ſchwer verwundet von der Kugel des Mord brenners, noch beſinnungslos am Boden liegt. Der Chirurg, der herbeigeholt wird, bemerkt, daß die Wunde ſich am Arme befindet, und Alles iſt geſchäftig den Verwundeten von den Kleidern zu befreien; Arm und Schu t tern wurden ſchnell entblößt, aber mit einem Schrei des Entſezens ſtäubt die helfende Schaar auseinander; denn auf den nakten Schultern zeigen ſich die furchtbaren Buch ſtaben jene ſichern Verräther des Verbrechers!

In demſelben Augenblik ſinkt Alfred ohnmächtig in die Arme des hinter ihm ſtehenden Arztes.Hilfe! um Gotteswillen, Hilfe! er ſtirbt! ſchreit Viktorine.Wir wollen ihn ins Foyer der Schauſpieler bringen, ſagte Hu⸗ bert kaltblütig wie ein ächter Arzt, der die Leiden und Unfälle im menſchlichen Leben als eine Geſchäftsſache betrachtet,dort werden wir ungeſtört ſein.

Mit Hilfe der Logenſchließerin brachte ihn der Dokter dahin, und ließ ihn auf einen dort befindlichen Divan niederlegen. Die Bruſt des Kranken hob ſich ſchwer, als wäre er athemlos und die Laſt der ganzen Weltkugel läge