Jahrgang 
Band 1 (1840)
Seite
280
 
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Hrn. Merelli, gegenwärtig in Preßburg, beginnt am 1. Mai ihre Vorſtellungen zu Brünn. Halms Trauerſpiel:Ein mildes Urtheil, iſt am 23. d. zum er ſten Male im Burgtheater mit Beifall gegeben worden. Die Theaterzeitung ent hielt bereits am andern Tag eine um faſſende und gründliche Veurtheilung von Meynert, die fünf ihrer großen Spalten füllt. Die meiſten andern Wie ner Blätter beginnen ebenfalls an dem ſelben Tage ihre Referate über dieſe Tragödie. Die beiden von Brockhaus in Leipzig edirten Journale:Leip ziger allgemeiner Zeitung undBlät ter für literariſche Unterhaltung ſind im Hannoverſchen verboten worden. Der WienerSammler gibt eine ſchön geſtochene Anſicht des neuen Schotten thores als Beilage. Die Hrn. Discant und Grohmann ſind im Königſt. Thea ter zu Bertin engagirt. Hr. Lang von Berlin(früher in Peſth) gibt jezt im Leopol dſt. Theater Gaſtrollen. Nach langem Feiern tritt Eduard v. Schenk mit einer neuen TragödieAdolph von Naſſau hervor, auf die wir ſehr ge ſpannt ſind.

Lokal-Zeitung.

Theatraliſches. Im ungariſchen Theater gab man am 25. d. zum erſten Male Donizettis Oper:Marino Faliero, welche allgemein, geſiel. Außer der Mad. Schodel, ſind noch die Hen. Szerdahelyi hu. Konti lobend zu erwähnen. Sie erhielten großen Beiſall. Dieſe Oper kommt Samſtag, den 2. Mai, als Beneſiz des braven Sängers Konti, zur zweiten Aufführung.

Auf derſelben Bühne erregen die ſpa niſchen Nationaltänzer, durch Sigenthümlich keit und Grazie ihrer Tänze, immer ſteigen deres Intereſſe.

Von unſerm Landsmann, dem im Auslande ſo rühmlich bekannten lyriſchen Dich ter Carl Beck, wird im deutſchen Theater

nächſtens ein dtamatiſches Wert:Saul, als Benefiz des Hrn. Dietrich, gegeben.

In einigen Tagen wird im deut ſchen Theater, zum Vorthell des Peſther Kin derſpitals, die OperBeliſar von Donizetti gegeben. Der rühmlich bekannte Baritoniſt Hr. Piſchek aus Preßburg, der eigends zu dieſem Zweke nach Peſth kam, wird die Titelparthie als Gaſt ſingen. Dem. Cagl gibt die Antonina ſomit dürften wir uns einen höchſt ausgezeichneten Kunſtgenuß verſprechen.

Die Ofner Arena ward Sonntag, den 26. d. eröffnet. Man gab:Doktor Fauſts Hauskäppchen, Poſſe mit Geſang v. Hopp Eine etwas unſinnige u, verworrene Hand lung, aber viel Spaßhaftes und Drolliges bemerken wir in dieſem Opus. Die Zauber kraft von Dr. Fauſts Hauskäppchen beſteht darin, daß, ſo oft es ein gewiſſer Andreas Pim pernuß auf den Kopf ſezt, eine befragte Per ſon die Wahrheit ſagen muß, was natürlich viele ſchnurrige Momente veranlaßt. Die Herren Kurt und Seydl überboten ſich an lebensvoller Laune, um ihren Rollen ei nen recht komiſchen Anſtrich zu geben. Here Kurt mußte ſein ſchön vorgetragenes Kou plet wiederholen und Hr. Seydl ergözte ſo lang er auf der Bühne war. Beide erhielten ausgezeichneten Beifall. Hr. Direktor Nötzl, die H. H. Nitſch und Fröhlich, ſo wie die Damen Zettler und Jaritz ſpielten löblich.

Heute und Morgen erſcheint Herr Döbler, der zur Freude ſeiner zahlreichen Verehrer von ſeiner Krankheit geneſen, wie der auf der Ofner Bühne, und es läßt ſich eine große Theilnahme voraus ſezen.

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Der Ball, den Hr. Emmerling zum Beſten der durch Ueberſchwemmung verun glütten Italiener am 26. d. im Redouten⸗ ſagle veranſtaltete, zog ein ſchoͤnes Publikum an, Das Arrangement war auch von der Art, daß Alles ſeine Zufriedenheit zu erkennen gab. Dic Blumen-Dekorirung war ſinnig u. geſchmatvoll. Die Tänze der liebenswurdlgen Kinder, unter der Leitung des Herrn Abe⸗ les, zeichneten ſich duech Grazie und Gefäl ligteit aus; vorzuglich geſiel der Contre tanz. Das Orcheſter, unter Morellys Diretk tion, hielt ſich trefflich, ſo wie das Muſikchor des loͤblichen Infanterte-Regtments Ccccopleri die beliebteſten Opernſtute mit vieler Präzi⸗ ſion ausführte. Usberraſchend war auch dle B umenſpende à la Dobler, und ſo wirkte Alleß zuſammen, um das Feſt zu einem ſehr angenehmen zu geſtalten. Hr. Emmer ling verdient den doppeften Dant, deſſen er ſich um das Vergnügen des Publikums, ſo wie um die leidende Menſchheit erworben hat.

Herausgeber und Verleger Franz Wieſen.