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mit dem feinem, aber ſchüchternen und gewählten Geſchmake der eleganteſten Vari— ſerinen im lebhafteſten Widerſpruche ſteht. Auf dem Valle des Herrn Thorn trug ſie das ſchönſte und reichſte Koſtume, ſie erſchien als Herzogin v. Ferrara im 16⸗ten Jahrhundert, ihr Kleid von rothem Sammet u. Goldbrokat glänzte von Diaman— ten vom größten Werthe, ihre Schuhe waren mit Edelſteinen überſäet. Beim Ein— treten in den Saal bot ſie dem Grafen Dol..., einem italieniſchen Edelmanne, der ganz genau in die reiche Tracht jener Zeit gekleidet war, den Arm, der junge Herzog von Vir.. begleitet ſie, in der Tracht, welche Taſſo auf italieni— ſchen Bildern hat. Die ſehr ſchöne Pflegetochter der Gräfin, Madame As paß, folgte ihr, und hatte den Marquis von Bel... zum Kavalier; darauf folgte eine preu— ßiſche Dame mit dem noch ſehr jungen Pol..., dem ein ſehr luſtiges Mißgeſchik begegnete. Er hatte auf einem Kupferſtiche ein ſehr ſchönes Koſtume aus jener italieniſchen Zeit geſehen, wo das Beinkleid den ganzen Fuß bedekt und kein Schuh ſichtbar wird, und in ſeinem Eifer, es ſich machen zu laſſen, nicht be— merkt, wie dünn der Stoff ſei. Kaum hatte er indeſſen einige Schritte gemacht, ſo mußte er bemerken, daß ſein Tricot nue wenig ſeinen Fuß ſchüze, und er nach einem Walzer auf dem tanzen würde, was die Spanier„anerſchaffenes Leder“ nen— nen; er mußte alſo ſchnell ein Paar Escarpins holen laſſen, und bis dahin bei den ſchönſten Tänzen gezwungener Zuſchauer ſein. Die Mutter dieſes jungen Man- nes war gleichfalls mit im Zuge der Gräfin Samofloff, und ſehr glänzend ko— ſtumirt. Kaum war der prächtige Zug eingetreten, ſo erhob ſich mit Räderge— raſſel und Peitſchenknallen ein großer Lärm: eine elegante Kutſche, von Carton— Pferden gezogen, fuhr in den Saal. Drei Poſtillons, unter ihnen Prinz Belg..., ſaßen auf den Pferden, im Wagen waren zwei ſchöne Damen. Mad. de Torey und Mlle. Fitz⸗Gerald; der Prinz, der als trefflicher Sänger bekannt iſt, mußte die Arie des Poſtillons von Lonjumeau ſingen. Eine Quadrille von altfranzöſi— ſchen Marquiſen und Marquiſinen, im Koſtume Ludwigs XV., fand ſehr viel Beifall; unter den Damen zeichneten ſich durch Schönheit und die Eleganz ihrer Roccocokleider aus: Mad. John Say, Schwiegertochter des Herrn Thorn, die Gräfin Courval, Mad. Lehon. Mlle. Ligott, die mit in der Quadrille war, hatte ein höchſt elegantes Koſtume gewählt, man glaubte, eine der Heldinen aus Richardſons Romanen zu ſehen. Lord Yarmouth war in griechiſchem Koſtume, Herr v. L.. M.. in einer bunten Tambour-Majors-Uniform, wozu ihn ſeine große Geſtalt allerdings geeignet macht. 5
Das diplomatiſche Korps hatte wohl geglaubt, eine Maske zieme keinem Diplomaten, die meiſten dieſer Herren waren im ſchwarzen Frak zugegen. Nur einer, der früher Frankreich an einem großen Hofe mit Talent vertreten, hatte es nicht unter ſeiner Würde gehalten, in einem Koſtume aus der Zeit Ludwigs XIII. zu erſcheinen.
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zwei Bände Erlebniſſe, größtentheils
Literatur. aus Italien, kürzlich bei Brockhaus er—
Literariſches Portfolio, ſcheinen. Sie hat hier, wie ſie ſelbſt
Unter dem Titel:„Jenſeits der Ver-] darüber äußert,„ein gutes reiches Jahr ge“, ließ die Gräfin Ida Hahn-Hahn! ihres Lebens, eng, rund und feſt bei—


