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reißendem Zauber und künſtleriſcher Begeiſte— rung.— Ein näheres Detail dieſer übrigens ziemlich gelungenen Vorſtellung in der näch— ſten Nummer. 8
— In Ofen ward am 5. d. eine neue Poſſe:„Doktor Fauſt's Hauskäppchen“ von Hopp gegeben, die kroz ihrer niedrigen Spä⸗ ße ziemlich gefiel. Vorzüglich ſpielten darin Dem. Revie und Hr. Seidl.
— Der berühmte Tenoriſt Schmezer, un- ſtreitig gegenwärtig der erſte Deutſchlands, wird ſchon im Mai in Peſth auf Gaſtrollen erwartet.
— Im Ofner Theater verſuchte ſich am 3. d. ein Hr. Brecht v. Brechtenberg im Im⸗ proviſiren; es fehlte nicht viel, ſo hätte das publitum mit improviſirt.
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Konzert. Das Konzert des Herrn D. Kohn zog ein anſehnliches Auditorium in den Redoutenſaal. Das Gebotene entſprach aber auch den Erwartungen. Die grandloſe Fidello-Ouverture ward mit großer Präziſion vorgetragen. Unmittelbar darauf überraſchte uns der kleine 9 jährige Violinſpieler Eduard Singer, Schüler des Konzertgebers, mit dem Vortrage eines Violinkonzertes von Be— riot. Wenn Eskamotagen à la Dobler vor hundert Jahren lebensgefährlich waren, ſo würden unſere heutigen muſikaliſchen Wun⸗ dertnaben zur Abgbtterei verleitet haben. Der tleine Eduard Singer gehort wohl zu den merkwürdigſten, die wir gehört haben. Der äußerſt wohlgeſtaltete Knabe, mit geiſtreichem Ausdruke und graziöbſer Haltung, ſpielte ein ſchwieriges Muſikſtüt mit ungemeiner Leich— tigkeit und einem geſangsreichen Vortrage. Sein Cantabile iſt eben ſo zart, als er die Doppelgriffe und das Stakato mit vleler Kübaheit und Fertigkeit ausführte. Der En⸗ thuſiasmus des Publikums geſtaltete ſich über— aus groß, u. der intereſſante Mignonkünſtler ward mehrere Mal ſtürmiſch gerufen.— Die taiſ. ruſſiſche Hofſängerin, Dem. Auguſte Bo— the, ſang ein ruſſiſches und ein ungarlſches Lied mit treffendem Ausdruke und ärntete viel Beifall und wiederholten Hervorruf.— Der Konzertgeber ſelbſt ſpielte zwei Piecen, eine von Prume und eine eigener Kompoſi— tion. In beiden bewährte der Künſtler neuer dings ſeine bekannte Virtuoſität, mit welcher er die ſteilſten Kunſtklippen mit großer Leich⸗
tigkeit überſchreitet, und ſeinem Inſtrumenke melodiſche, ſeelenvolle Töne zu entloten weiß. Der Applaus war verdientermaßen ſehr groß, und er mußte nach jeder Piece zweimal er— ſcheinen. Zwiſchen beiden ſang Herr 0 4 Mitlowich ein Opernſtük mit Violloncellbe⸗ gleitung, welche gefiel. —.—
Döbler hat am 5, d. ſeine zwölfte Darſtellung im ungar. Theater gegeben. Das Haus war überfüllt, der Beifall groß. Dies ſollte daſelbſt ſeine lezte Produktion ſein; al; lein auf vieles Verlangen muß er(am 8. u. 9.) noch zwei geben. Sonnabend, den 11. erſcheint er zum erſten Mal auf dem Theater zu Ofen.
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Die Reubauten in Peſth zeigen ſich bis jezt in dieſem Frühjahr nicht ſo zahl- reich, als man hätte erwarten ſollen. Nur we⸗ nige ſind begonnen worden und kaum daß alle im vorigen Jahre unvollendet gebliebenen Bauten heuer fortgeſezt werden. Wir könn⸗ ten uns dieſen Thatbeſtand nicht erklären, wenn wir nicht vorläuſig die Urſache der noch nicht erwachten Bauluſt in der noch immer an⸗ haltenden kühlen Witterung zu ſinden glaub⸗ ten.— Einen vortheilhaftern als den jezigen Zeitpunkt zum Häuſerbau in Peſth könnte man kaum wäblen— iezt, wo das Materiale ſo billig und der Arbeitslohn ſo herabgeſezt iſt— und gewiß werden Dicienlgen, die dieſe günſtige Zeit nicht benüzen, es in der Fol⸗ ge zu bedauern haben. Dem Aufſchwun— ge unſerer Stadt ſteht nichts im Wege. Eine großartige Brüte wird ihr eine immerwäh— rende Kommunikation mit allen Gegenden ſichern, eine Eiſenbahn ihren Handel u. Ver⸗ tehr noch mehr erleichtern. Schon die Neu- gierdes allein, unſere ſchoͤne Stadt mit ihrer majeſtätiſchen, unvergleichlichen Kettenbrüke
zu bewundern, wird Tauſende von Fremden uns jährlich zuführen, u. die Eiſenbahn wird doch dieſe Frequenz ſo ſehr erleichtern! Dann werden wir wohl zu wenig Raum in unſern Mauern haben; dann wird wohl Alles, was Geld und Grund bat, bauen, wollen; aber dann wird man auch nicht ſo leicht dazu kom⸗ men, wie in jeziger Zeit, und nur Dieſenigen, die die rechte Zeit zu wählen wußten, wer— den ſich vergnügt die Hände reiben. ——
Pe ſt b. Der berühmte Guitarrevirtuoſe Legnani iſt hier angekommen und gibt Sonnabend, den 11. d., ein Konzert im Re— doutenſaale.
Herausgeber und Verleger Franz Wieſen.


