Jahrgang 
Band 1 (1840)
Seite
231
 
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Dieſe Unglüklicken ſprechen nun gleich uns die Mildthatigkeit Anderer an, u. wohl mit größter Zuverſicht das Mitgefühl Oerjenigen, die erſt kürzlich ſelbſt die Wohlthat deſſelben empfunden und deſſen Werth erprobt haben. In den Herzen der Bewohner der Haupt⸗ ſtädte Ungarns müſſen ſich jezt zwei edle Gefühle von gleicher Kraft regen: Wohlthätigkeit und Dank⸗ barkeit! Und Oankbarkeit, vorzüg⸗ lich gegen ein Land, aus dem uns be ſonders ſo bedeutende Unter ſt ü⸗ zungs⸗Summen zugefloſſen!

Um aber mit dem edeln Zwek auch einen ſeltenen Kunſtgenuß zu vereinen, iſt für den 12. die es Monats eine große muſikaliſche Produktion im Peſther deut ſchen Theater veranſtaltet worden, bei welcher Gelegenheit Haydn's unſterbli⸗ ches, klaſſiſches Oratorium:

Die Schöpfung, exequirt werden wird, und wovon der reine Ertrag zum Beſten der Ueber ſchwemmten im lombardiſch-venetianiſchen Königreiche verwendet wird.

Dieſe Vorſtellung wird mit der möglichſten Importanz und Großartig keit in's Werk geſezt werden; was Peſth u. Ofen an Kunſtkräften aufzuweiſen hat, wird darin mitwirken. Die drei Bühnen der beiden Städte, nämlich das unga riſche und das deutſche Theater in Peſth und das deutſche in Ofen, werden mit ihrem reſpekt. Perſonale Theil neh men. Der Peſther und Ofner Muſik Verein mit ſeinen zahlreichen talentvol len Gliedern, der trefflich eingeübte Chor des Peſther israelitiſchen Tempels, ſo wie eine große Anzahl anderer Künſt ler und Dilettanten beider Städte wer den eine imponirende Maſſe bilden, wie man ſie hier noch nie vereint geſehen, da man wohl annehmen kann, daß die Zahl aller Mitwirkenden ſich auf meh rere Hundert ſteigern werde. Der hoch geborne Herr Graf Leo Feſtetics

hat, als Präſes des Muſikvereins, die Anordnung des muſikaliſchen Theils übernommen, von welcher Aegide man das Erſprieslichſte erwarten kann.

So wie nun die ſämmtlichen hier erwähnten Kunſtkorporationen und Pri vaten ihre Mitwirkung edelmüthig und uneigennüzig zugeſagt haben, ſo läßt ſich auch von dem edel müthigen u. kunſt⸗ ſinnigen Publikum beider Nachbarſtädte mit Recht vorausſezen, daß es den von ihm gehegten Erwartungen durch reich liche Theilnahme entſprechen werde.

Theatraliſches. Mad. Deſſoir gab die Maria Stuart zur vierten Gaſtrolle, und zeigte hierin auch großartige Momente, be ſonders war die Schlußßzene ergreifend. ue brigens gehörte die Darſtellung dieſer Tragö die zu den matteſten unſerer Bühne.

Die Büßerin um Milternacht heißt ein Schauſpiel von W. Vogel, das am 4. d. als Beneſiz des Herrn Börger, zum erſten Male gegeben wurde. Das Stük hat Effekt und geſiel deshalb, aber auch nur blos des halb, denn das uebrige kann keinen gebilde⸗ ten Geſchmak anſprechen. Der Benefiziant ſpielte mit Einſicht u. Ruhe und erwarb ſich Beifall. Vorzüglich waren noch Mad. Kalis Padjera, dann Hr. Roſenſchön(der beſonders gefiel), die kleine Werkowitſch, die allerliebſt ſpielte, dann die H. H. Thoms und Donua, die mit Glüt auf unſerer Bühne wieder de butirten.

BellinisPuritaner gingen als Bene ſiz unſerer erſten Sängerin Dem. Henrbet te Carl, am 6. d. neu in die Szene. Es war einer der anziehendſten Theateraben de, die wir ſeit lange hier hatten. Die große Beliebtheit, in welcher die hochgeſchäzte Be neſiziantin ſteht, ſprach ſich ſchon darin aus, daß, nach einer langen Reihe ſpärlich beſuch⸗ ter Häuſer und ſchwach frequent'rter Benefiz⸗ Vorſtellungen, das Theater diesmal von den zahlreichen Verehrern u. Freunden der Künſt lerin und welcher wahre Kunſtverſtändige wäre dies nicht? bedeutend gefüllt wur de. Kränze und Gedlchte verſchiedener Art wovon eines ſehr ſinnig mit dem lithographirten Bildniß der Geſangsvirtuoſin geziert und außerordentlicher Beifall wurden ihr geſpen⸗ det. Ste ſang aber auch die Elolra mit hin⸗