Jahrgang 
Band 1 (1840)
Seite
220
 
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Diſtichen von Orion.

(Fortſezung.)

Weisheit, Klugheit und Vildung, ſie ſind unendlich verſchieden; Oft iſt der Weiſeſte roh; oft der Gebildete dumm.

Eljen ruft man dem Deutſchen im Tempel magyariſcher Muſe To recht! Eljen! daher ungriſche Humanität!!

Hef du geſehen unſere Juriſten, Raufbolde früher 5 Haſt du ſie heuer geſehen, auf ihrem fürſtlichen Ball?

ba, jezt geht es vorwärts, das ſind die Früchte des Friedens, Dies ſind die Früchte des Baum's, welcher in Oeſterreich grünt.

Eine Sprache verbindet, es ladet ein Wirth uns zur Tafel, Aber die Gäſte, ſie ſind wegen der Size nicht eins!

Magyar vagyok!'s iſt wahr, ich bin ein Ungar, doch ſprech' ich, Weil mir der Schnabel ſo wuchs, das gelenkſame Deut ſch.

Hul! wie rollt ſichs ſo ſchnell auf der Bahn aus engliſchem Eiſen; Huſch! wie flieht unſer Geld dafür nach England hinaus.

He! Kananiten herbei aus Oſt,

Weſt, Süden und Norden!

Seht, man bietet euch Land, das ihr ſo lange geſucht! Hundert Prozente trägt es gewiß, ein 1 Handel; Aber die Hände gerührt, nimmer des

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Schweißes geschont!

Theater.

Peſt h.(Mad. Deſſoir.) Am 1. d. betrat Mad. Deſoir zum dritten Male unſere Bühne. Sie gab die Chri ſtine, in derKönigin v. 16 Jahren! und die Lucie, in BauernfeldsTage buch. Das erſtere Schauſpiel iſt bei⸗ läufig geſagt eines der langweiligſten und abgeſchmakteſten, die in neuerer Zeit auf den Bühnen-Repertoirs er⸗ ſchienen. Blos die Perſon der Königin, die von Mad. Deſſoir mit lieblicher Nai⸗ vität und zugleich mit königlicher Wür⸗ de durchgeführt wurde, erregt einiges Intereſſe, aber die Umgebungen ſind ſo tödtend ennuyant, daß man das Ende ihrer Sermone nicht erwarten kann.

Warum ſchneidet man dieſe nicht ab, oder warum zieht man ſie nicht wenig⸗ ſtens kompakter zuſammen? Was ginge verloren dabei? Auch ward von den Darſtellenden, beſonders von dem Gra⸗ fen Ronzau, ſo gedebnt geſprochen, daß dies zweiaktige Stük faſt zwei Stun⸗ den währte. Zwei Stunden, die uns wenigſtens ſechs dünkten! Weit mehr ſprach das Vauernfeld'ſche Luſtſpiel an, das zwar auch keinen ſonderlichen dra matiſchen Werth, aber doch immerhin Intereſſe in der Handlung, einen fließen⸗ den Dialog, eine befriedigende Ent wi⸗ kelung hat und nicht langweilig iſt. Unſere geſchäzte Gaſtin ſpielte aber auch mit einer Grazie, einer Natürlichkeit und Ungezwungenheit, daß ſie den laute⸗