Jahrgang 
Band 1 (1840)
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einem Geländer verſchlagen, und wer nicht klettern oder kriechen kann, der läuft Gefahr von dem Selle der Zugmenſchen gewürgt zu werden, oder daß ihm wenigſtens der Hut abgeſchlageu wird. Doch gelingt es Einem über oder durch das Geländer zu kommen, ſo er offnet ſich eine andere Alternative; ein Trieb Ochſen, der uns das beſte Fleiſch vom Mun⸗ de weg in andere Länder führt, kommt uns auf dem Fahrweg entgegen, und wir müſſen es der Distretion der gehörnten Wanderer überlaſſen, daß ſie uns nicht auf ihre bewaff neten Köpfe ſpießen. Wenn wir nicht irren, ſind die Gehwege blos für einfache Fuß gänger beſtimmt; für Schiffszieher ſollte ein eigener Treppenweg etablirt werden, wle die⸗ ſes bei der heurigen Brute für die Schild. wachen gemacht wurde.

Benefiz.(Ofen.) Montag, den 30. d., zum Vorthelle des tbätigen Kapellmeiſters W. L. Gorgl:Adelaide, oder: zehn Jahre aus dem Leben einer Sängerin, Charakter Gemälde neuerer Zeit nach einem franzöſiſchen Vaudeville, in vier Abtheilungen von Schickh, Verfaſſer derNina,Kobold,Poſtil lon de. Muſik neu komponlrt vom Kapellm. W. L. Gorgl, Schlußtanz vom Balletmeiſter Hrn. uhlich. In die Szene geſezt vom Herrn Reg. Seydl. Das im zwelten Akte von Dem. Revie geſungene Quodlibet, unter dem Titel:Huldigungs-Klänge iſt als Ofner Spende allen Damen in Ofen gewidmet,

und ehrfurchtvoll dargebr om Kap. Gocgl. (Daſſelbe wird ſpäterhin im Klavier⸗Auszuge zu bekommen ſein.) Daß ſich dieſe Vorſtel lung eines zahlreichen Beſuchs zu erfreuen ha ben dürfte, laſſen ſchon die anerkannten Ver dienſte des Beneſizianten erwarten.

Theater⸗Pachtung.

Das Theater in der königlichen Freiſtadt Kaſchau*) iſt vom 1. November(. J., oder nach Umſtänden auch fruher, gemäß der ſtakt⸗ zufindenden Uebereinkunft, auf ein oder meh rere Jahre einem geeigneten Theater-Unterneh mer zu überlaſſen. 8

Pacht wird keine gezahlt. Die Hauptbedingniß aber iſt, daß der Unter⸗ nehmen für die Winter⸗Monate eine den ge⸗ rechten Wunſchen des Publitums entſprechen⸗ de Opern- und Schaufplel- Geſellſchaft ver- ſchaffe; da nur bei Befriedigung des Pu- blitums der Unternehmer ſeine Rechnung zu ſinden hoffen durfte.

Es haben demnach Jene, welche dieſes Theater zu übernehmen geſonnen wären, ihre Anträge bis Ende April l. J. dem Magtſtrat dieſer kön. Freiſtadt Kaſchau einzuſenden, ob, und welche Buürgſchaft ſie fur die genaue Er⸗ fullung der zu übernehmenden Verpflichtung leiſten wollen und konnen; da bel Ver leihung dieſer Gerechtſame, außer den perſon⸗ lichen Eigenſchaften des Unternehmers, auch auf obigen umſtand Rutſicht genommen wer⸗ den ſoll. Kaſchau, den 13. März 1830.

) Dies Theater enthält in der erſten Etage 19, in der zweiten Etage 16., im Par: 2 Logen, 40 Sperrſize; Parterre auf 300 bis 400 Perſonen, u. zwel Gallerien.

Beilage:Der Schmetterling. Nr. 8.

Genrebil d. Uro. 2.

Welbliche Politik. Budget-Ver handlung. Wir entnehmen dieſes Lebens-

bild aus

einem der geleſenſten Pariſer Tagesblätter. Hr. de Chapelller mag vielleicht ſeine Gat⸗

tin lieben, vermuthlich aber ſelne Renten noch mehr; Mad. de Chapelller llebt vielleicht auch

ihren Gatten, unbezwelfelt aber ihre Toilette noch mehr. Madame iſt eben in großer Verlegenheit; die Rechnungen von

der zwiſchen beiden Eheleuten.

Schneidern, Puzmacherinen, Modehändlern de. de. habe Gläubiger dringen auf Zahlung und drohen tel befriedigt würden. Sie geht daher politiſch zu

nen Lappen

Da gibt es denn ſo manchen Ha

ich ſeit Kurzem ſehr gehäuft; die ehr herzugeben, wenn ſie nicht Werke, ſie lauſcht iheem Gatten eine gute

Stunde ab. Er ſizt eben behaglich bei einem Lieblings Mahl; ſie kommt zu ihm, lieb⸗

koſt und ſchmeichelt ihm auf jegliche Weiſe.

Die Wolken auf

des ſtrengen Gatten Stirn

verdünnen ſich etwas und da rükt die Frau mit ihren Rechnungen hervor. Eine nach der

andern wird auf die Tafel gelegt und es kommt

zur foͤrmlichen Budget- Verhandlung.

Bel jeder neuen Zahl wird des Hrn. Gemahls Geſicht ernſter und ſinſterer; er will beinahe

wieder unwirſch werden. Aber ſie ſchmeichelt ſo ſüß, ſie ſpricht ſo ſanft, Politit iſt ſiegreicher als ein Miniſterium bei einer Dotationsforderung. bewilligt und es iſt auf einige Zeit Friede im Reiche.

und die weibliche Das Budget wird R.

Herausgeber und Verleger Franz Wieſen.