Jahrgang 
Band 1 (1840)
Seite
192
 
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der Dem. Carl, die jedesmal in der Parthie der Ginevra die größten Triumphe feiert, wird auch Hr. Steiner, als Guido, recht gerne gehört und hat in mancher Hinſicht ſogar Vor züge gegen ſeinen Vorgänger. Ausgezeichnet im Vortrag und im Spiel iſt auch Hr. Dis⸗ kant als Fortebraccio, der dieſer Parihie Le ben u. Bedeutung zu geben weiß. Hr. Leith⸗ ner ſcheint aber nicht vlel Liebe für ſeinen Part(Herzog) zu hegen, obwohl er einige treffliche Momente bat. Hr. Rötzer, brav.

Lieber gute Bearbeitungen, als ſchlech⸗ te Originale! Man will Neſtroy Genie und Erſindungsgabe abſprechen, weil alle ſeine Stüte Bearbeitungen bereits vorhandener Stoffe ſind immerhin! Neſtroy mag ſich Stoffe ſuchen, wo er will, er ſoll nur nie aufhören ſie zu bearbeiten, und er möge in der Wahl derſelben! immer ſo glüklich ſcin, wle bei dem Text buche:Der Bräuer von Preſton, aus welchem er zwar keine Lokal poſſe, aber eine recht artige, mit Wiz und ſprudelndem Humor ausgeſtattete Poſſe:Der Färber und ſein Zwillingsbruder zuſammen⸗ ſtellte. Hier iſt Neſtroy wieder ganz Neſtroy, der ſcherzende Satyriker, der in die Lebens tlefen eindringende, die ernſten Seiten im heltern Gewande darſte llende Dichter. Moral! Moral! ſchreien die Pedanten. Run gut, gebt ihnen Moral und die Folgen werden ſein: Gähnen, Schlaf und ltere Theater. Ils sont passé ces jours, wo die Bühne eine Beleh rungsanſtalt war, jezt iſt ſie bloß zum Vergnügungstaumelplaze herabgeſunken, und dieſem Geſchmake des Publikums müſſen die Direktionen u. Dichter zwar nicht im Inte⸗ reſſe der Kunſt, aber aus materiellem Inte veſſe huldigen. Daraus folgt noch nicht, daß es immer ſo bleiben wird. Gegenwärtig iſt Neſtroy der Mann der Mode und leider die einzige Stüze der immer tiefer ſinkenden Volkspoeſie. In der Aufführung der in Rede ſtehenden Poſſe war Herr Rott aus⸗ gezeichnet, er durfte nächſt Neſtroy der Einzige ſein, der dieſe Rolle mit gleicher Wirkſamkeit zur Darſtellung bringt. Hr. Gäde war voll Leben. Hr. Roſenſchön ſplelte ſehr brav. Von den Damen verdient nur Dem. Kolb, wegen ihres natürlichen Spiels, aus zeichnende Erwähnung. Die Aufnahme war beifällig, die wizigen, polntenreichen Kouplets wurden ſtürmiſch zur Wiederholung verlangt. 3

Am 19. d. M. gab Or. Heim Lehe⸗ maliger churheſiſcher Hofſänger) die Parthie des Othello als erſte Gaſtrolle auf dem Pe- ſther Theater. Der Erfolg dieſes Debuts war ein günſtiger. Der Stimme fehlt es zwar an Friſche, aber ſie iſt träftig und ausdauernd. Schoner deklamatoriſcher Vortrag, Ausdruk und Gefühl im Geſang, gutes Spiel. Der Beifall war ſehr lebhaft. Oefteres Her⸗ vorrufen. Die Folge wird das Weitere leh⸗ ren. Dem. Carl iſt eine herrliche Desde mona, voll Adel und Würde in der Hal⸗ tung; hinreißender Schmelz, Innigkeit und Wärme im Vortrage. Enthuſiaſtiſcher Beifall.

Im Ofner Theater machte man am 19. d. einen Verſuch mit der Oper. Es ward der Barbier von Sevilla gegeben. Herr Seidl gab den Barbier, Dem. Revie die Ro 9 ſina, Hr. Satorfy(vom Peſther ungariſchen Theater) den Almaviva, Hr. Ranftl den Bar⸗ tolo, Hr. Kurt den Baſilio de. ueber den befriedigten Ausfall nächſtens.

Im Ofner Theater wird Herr Win⸗ diſch, ehemals eln ſehr beliebtes Mitglied des Leopoldſtädter Theaters in Wien, gaſtiren. Seine erſten Debuts werden Baron Wallen⸗ fels, in IfflandsSpieler und Ringelſtern in BauernfeldsBekenntniſſen ſein.

In Peſth wird die rühmlich bekannte Schauſpielerin Mad. Deſſo ur auf Gaſtrol⸗ len erwartet.

Benefiz.(peſth.) Montag, den 23. März, zum Vortheil der Demoiſ. Emile Müllerr:

3, Dui e Roſen, dramatiſches Gemälde in 5 Akt. v. Albini. Dieſes lezte äußerſt gelungene Produkt des unlängſt verſtorbenen ausgezeichneten deutſchen Luſtſpiel⸗ Dichters, erhielt überall die beifäl⸗ ligſte Aufnahme, und es ſteht zu erwarten, daß die als geſchäzte Künſtlerin ſo beliebte Beneſiziantin ſich in der Wahl nicht verrech⸗ net haben werde. U

Muſit. Heute gibt der ſchon erwähnte Violoncell-Virtuoſe Herr Borzaga, Mit glied der k. t. Hofkapelle in Wien, eln Kon zert im Redoutenſaale.

FRN

Modenbild. Uro. 12.

Paris, 8. März. Soireenanzug Kleid von Poult de Soie mit Krepp garnirt. Neueſtes Möbel.

Herausgeber und Verleger Franz Wieſen.