Jahrgang 
Band 1 (1840)
Seite
143
 
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Frankreich. Ihr Gemahl war Beſizer eines bedeutenden Eiſenhammers zu Glandier, im Corréze- Departement. Man erzählt, die Vergiftung ſey ver⸗ mittelſt eines Kuchens erfolgt, den die Mörderin ihrem Gatten mit der zärt lichſten Bitte zugeſchickt habe, ihn um eine beſtimmte Stunde zu eſſen und da bei ihrer zu gedenken, da ſie um die ſelbe Stunde einen ähnlichen Kuchen eſſen werde. Mad. Laffarge ſizt jezt im Gefängniß zu Tulles. Es heißt, ſie ſey ruhig und verſichere ihre Unſchuld. Bekanntlich war van Amburgh in Pa ris vor Kurzem von einem ſeiner wen gebiſſen worden. Derſelbe Unfall begegnete ihm dieſer Tage auch in Rouen, wo der Löwe, als er gerade ein Kunſt ſtück mit ihm probirte, ihn in den Arm biß. Deſſenungeachtet ſezte der uner ſchrokene Thierbändiger die Probe fort. Indeſſen iſt durch ſeine Verwundung ein Stillſtand von einigen Tagen in den Vorſtellungen eingetreten.

Bern. In einem Dorfe des Be zirks Münſter(Kanton Bern) ward jüngſt Einer bei lebendigem Leibe gebra ten. Im Zuſtande der völligen Trun

kenheit legte ſich der Elende auf einen glühend heißen Ofen, u. blieb mehrere Stunden bewußtlos auf demſelben lie gen. Als er zu ſich ſelber kam, war der ganze Rüken bis auf die Lenden durch gebraten und verbrannt. Man zweifelt am Aufkommen des Unglüklichen, der Höllenqualen leidet.

Lokal-Zeitung.

Theatraliſches. Olle. Bothe, k. ruſ ſiſche Hofopernſängerin, ſang am 25. d. M. zur erſten Gaſtrolle den Romeo in Bellini's: Montecchi e Capuletié Olle. Bothe beſizt, ſo weit aus dieſer einen Leiſtung zu beurthei len, eine angenehme, aber ſchwache Stimme, die jedoch in vieler Hinſicht der tieferen mu ſikaliſchen Ausbildung entbehrt, namentlich für

den Part des Romeo, der einen kräftigen, markigen Klang und ltalieniſchen Geſangs Nea, Feuer und Gluth im Ausdruke be

dingt, nicht ausreichend iſt. Am gelungenſten war das Duett mit Giulietta. Die Aufnahme von Seite des publitums zeigte ſich zum Theil ziemlich beifällig, indem man wohl auch das natürliche Befangenſein bei einem erſten Auf treten vor einem fremden Auditorium berük ſichtigte. Da dieſe Sängerin übrigens auf an⸗ deen Bühnen Glük machte, ſo glauben wir, daß ſie vielleicht in einer zweiten Parthie mehr reuſiren würde; es ſei denn, daß die gar zu hohen Anſprüche, die man in Peſth auf ein Geſangstalent zu machen gewohnt iſt, ihr ſchaden dürften. Im uebrigen ging die Exe qulrung der Oper ziemilch lau.

Eln anderer Gaſt in der Oper wan Mad. Baum(Tochter unſers Direktors Hern. Schmid), die am 27. d. M. die Ga⸗ briele in KreuzersNachtlager ſang. Eine ſehr erfreuliche Erſcheinung. Ein angenehmes, kräftiges, tlangvolles Organ, eine beſonders ſchöne Höhe, eine gute Schule(wir hören, ſie wurde von der hier anweſenden trefflichen Geſangslehrerin Mad. Cornega unterrich tet) ein ſehr gem thlicher Vortrag, leichte, ge fällige Beweglichkeit und naives, natürliches Spiel gaben ſich auf eklatante Weiſe kund, und das Publikum erkannte, daß es dieſe Parthie hier noch nie ſo ausgezeichnet hörte und ſah. Einſtimmiger Applaus und mehrma liges Hervorrufen lohnte ihre Leiſtung. Die H. H. Leitbner und Steiner ſangen ihre Par thien zur allgemeinen Zufriedenheit.

Semper idem.

Etwas über die Liebenswür⸗ digkeit.(Für Damen.) Es iſt was Schönes um die Liebenswürdigkeit! Wer wünſchte nicht liebenswürdig zu ſeln? Wir zweifeln zwar nicht an der Llebenswürdigkeit unſerer Leſerinnen(wir ſinden ſie ſchon des Llebens würdig, weil ſie unſer e Leſerinen ſind); aber es gibt Dinge in der Welt, von denen man nicht genug haben kann, u. wie der reicheſte Geizhals Schäze auf Schäze häuft, ſo wird auch die Holdeſte der Schönen noch immer gerne etwas Neues von den Schäzen der Liebenswürdigkeit profitlren wollen; zumal da die Grazie und Aumuth ſo manigfaltige Artikel auf dem La ger hat. Aber wie wird man liebenswür dig? Die Liebenswürdigkeit liegt wohl in Euch ſelbſt, liebe Leſerinen, ſie iſt Euch angeborenz Ihr beſizt ſie in Eurer Geſtalt, in Euren Zügen, in Eurem Blike, in Eurem Lächeln, in Eu rem Betragen. Aber dies iſt noch nicht Alles.

Ihr wißt, daß dies Alles noch durch äußere