Jahrgang 
Band 1 (1840)
Seite
132
 
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Tänzerſtatiſtik.

In Dänemark kommt ein Tänzer auf 130 Einwohner, in Nuß land ein Tänzer auf 159, in der Schweiz einer auf 107, in Schweden und Norwegen einer auf 211, in der Türkei einer auf 9000, in Baiern einer auf 30, in Preu⸗ ßen einer auf 128, in Sachſen einer auf 39, in Würtemberg einer auf 20, in den Niederlanden einer auf 26, in Frankreich einer auf 7, in Portugal einer auf 110, in Spanien einer auf 50, in Hamburg, Bremen, Lübek einer auf 34, in Frankfurt einer auf 27, in Italien einer auf 15, in England einer auf 25, in Polen einer auf 11, in Ungarn einer auf 13, in Böhmen einer auf 9, in Oeſterreich einer auf 3, in Wien einer auf 2, denn hier gibt es nur Aeltere u. Jüngere, und bis zum dreißigſten Jahre tanzt Alles. Was jedoch die Frauen

zimmer betrifft, ſo kommen immer auf einen Tänzer 36 Tänzerinen.

Anſichten. Korreſpondenz.

Wiener Tabletten. Eine gro⸗ ße Tragödie iſt jüngſt über die Bretter geſchritten und ganz ohne Maſchinerie dabei durchgefallen! Ja auch die olym piſchen Götter müſſen ſich dem Fatum beugen; das dramatiiſche Gedicht:Ein weibliches Herz, deſſen Objekt ſchon der Titel beſagt, hat nicht gefal len. Es iſt Vermeſſenheit Läſterung beinahe, ein Frauenherz ſchildern zu wol len! Kann man das Meer erſchöpfen? die Unendlichkeit ermeſſen? die Bah nen aller Welten mit dem Finger nach weiſen? Kann man das tiefſte verſchlei erte Heiligthum des weiblichen Gemü thes dem profanen Blike bloslegen? Was kein Geiſt erfaßt wird keine Feder ma len können? Selbſt die Sprache iſt eine ſeltſame Miſchung von Nichtigem und begeiſtertem Aufſchwunge, voll der wärm ſten Poeſie; ſo verkündete ſich in die ſem Gedichte ein eben ſo großes als aus gebildetes Talent, eine eben ſo erhabene als verkehrte Dichtung. Möge der pſeu donyme Dichter des ſchönſten Succeſſes verſichert ſein, wenn er die berührten Mißklänge vermeiden wird. Die übri gen Theater wirkten in den verfloſſenen

iſſe.

Tagen wenig Verdienſtliches; der Faſching nimmt die Beſucher jezt zu ſehr in An ſpruch, als daß eine Direktion einen er kleklichen Fang machen wollte, daher auch die Repertoirs ſehr novitätenleer ſind. Die Schauräume zählen meiſtens ein ganz gelinde verſammeltes Publi kum; in den Vorſtädten beginnen die be kränzten Mimen um 8 Uhr und ha ben ſehr oft um ½ 9 Uhr Alles über ſtanden. Da bleiben denn dem unter hal tungsſüchtigen Wiener ſelten etwas beſ ſeres als die transparent annonzirten Geſangsleiſtungen in den Wirth shäuſern. In mancher Vorſtadt glaubt man ein Stükchen China zu finden, ſo hell leuch ten von allen Eken die Burgen ölge trängter Lampen u.Kaſteln, einla dend durch die ſtokfinſtre Macht. Es laſ ſen ſich oft recht gräuliche Räuberdra mas vernehmen, die bieraufgedunſe nen Komödianten, ſämmtlich in tiefem Baß ſprechend u. mit den farbenloſeſten Lappen behangen; dieSilberzindelge⸗ nien, die ziegelmehlgeſchminkten Wan gen der Bierhaus-Elviren und Kneipen Amalien erregen kraß-komiſche Effekte. Recht lebhaft erinnere ich mich noch an eine Art traveſtirterSchuld, wo der Quaſi- Oerindur mit einem wahrhaft