Jahrgang 
Band 1 (1840)
Seite
117
 
Einzelbild herunterladen

117

Drukerkunſt, Hand ſo viel Weiſes und Schönes in die Welt geſandt hat, als vielmehr deſſen Unarten zu verwünſchen. Dahin gehören nun freilich auch die moraliſchen, nebſt allen intellektuellen Thorheiten der Preſſe, die jedoch auf Rechnung der Schriftſteller kommen. Will man ſie daher mit untergehen heißen, ſo wird es Niemand ſchelten, es ſei denn ein Mitſchuldiger oder ein Liebhaber der Ungebühr. Es iſt aber von dem die Rede, was die Typographie oft genug begangen hat und nach der Jahrhundertswende noch zu begehen fähig wäre, was allen ehrlichen Autoren ein rechter Dorn im Auge und den Leſern ein Ver druß, manchmal ein ärgerliches Gelächter iſt, was die ehrwürdige Typogra phie entwürdigt,

Done ehe r.

Daher werden recht de- und wehmüthig, auch zur Ehre der weltbeglü kenden, hochrühmlichen Kunſt, gebeten und aufgefordert ſämmtliche Herren Ver anſtalter, Anordner, Vorſteher und Mitgäſte des bevorſtehenden großen Gut tenbergsfeſtes, Drukerherren, Meiſter, Faktoren, Gehilfen, Lehrlinge und Ge noſſen, oder wie ſie heißen mögen, aus einer Kehle und vollem Herzen der Buchdruker-Zukunft entgegenzurufen:

Pereant die Drukfehler!

Nicht allein aber zu rufen, ſondern ſolchen wichtigen Wunſch auch in That und Leben zu verwandeln; damit das gute Deutſchland, welches ja das Vaterland der Buchdrukerei iſt, hierin künftig den erſten Rang behaupte, und nicht neben Eng⸗ land, Frankreich, Holland und andern Ländern zurükſtehe. Wollen die verehr ten Herren noch ein Pön allen nachläſſigen Drukern, Sezern, Korrektoren, Re viſoren, ja Verlegern ſelbſt, communi consensu auferlegen, ſie in Verruf ſezen, erſtern, den Drukern und Konſorten, nichts mehr zu thun geben, den Verlag der andern nicht mehr debitiren, ſo oft einem oder dem andern offenbare Fahr läſſigkeit im Punkte der Korrektur vor einem ehrbaren, aus Buchhändlern und Autoren zuſammengeſezten Gericht erwieſen werden kann, während er leſerliches Manuſkript*) bekommen hatte, welches gewöhnlich fehlerhafter als ein ſchlecht geſchriebenes abgedrukt wird, weil der Sezer dabei drüberhin lieſt, bei dem un leſerlichen aber ſachte geht, der Korrektor das Kollationiren unterläßt u. f. 8 oder wollen ſie ſolche unwürdige Guttenbergsverwandte zur Vermeidung größern Aufſehens nur ſtillſchweigend ihrer Gunſt berauben ſo wird dieſes und Alles, was ſie irgend zur Rettung des Sinnes der Autoren vorzukehren gedenken gen(desuper implorando) mit gerührtem Herzen erkennen

9 Ein nicht ohne Grund querulirender und ſupplizi⸗

render Schriftſteller im Namen vieler andern.

P. S. Der Nachdruk dieſes Pro-memoria iſt allgemein erlaubt.

) Korrekter Oruk iſt allerdings eine ſchöne Sache. Ob aber an den leider ſo häufigen Drukfehlern die Herren Autoren mit ihren in jeder Beziehung oft genug ſchlecht geſchriebenen Manuſtripten nicht den bei weitem größe⸗ ren Theil der Schuld tragen, wollen wir dahingeſtellt ſein laſſen. Dieſe kurze Herzensergießung moge man entſchuldigen als eine eben ſo wahre, wie auch harmloſe Anmerkung des Sezers.