Jahrgang 
Band 1 (1840)
Seite
116
 
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DerSchwan von Peſaro verbeugt ſich mit Grazie; er hätte die ganze Ro⸗ manze noch einmal gemacht, wenn man es gewünſcht hätte, und der Text würde ſicher nicht verloren haben. Lord T* brachte auf klaſſiſche Weiſe ſein Ta⸗ ſchentuch mit ſeiner herrlichen Naſe in Verbindung, huſtete mit Anſtand, faßte mit den Händen an die Kehle und beklagte, daß er nicht bei Stimme ſei; dann, als er beginnen wollte, bat er den Meiſter um ein etwas langes Vorſpiel, da mit er zwiſchen den Strophen Athem ſchöpfen könne, indem am Schluß eine Vaſſage käme, welche für ſeine Mittel etwas zu hoch geſchrieben ſei. Roſſini ſpielte ſofort ein Präludium, das allen Anweſenden überaus gefiel, und den edlen Liebhaber ermuthigte; aber der arme Lord beſaß nicht muſikaliſche Kennt⸗ niſſe genug, um zu bemerken, daß jenes Präludium verrät heriſcher Weiſe einen Ton höher geſpielt worden. Der Sänger machte unglaubliche Anſtrengungen, um die hohen Töne zu erlangen, und er erreichte ohne Qual Noten, welche er, wenn er die Liſt gekannt hätte, deren Opfer er war, ſicher weit über ſeine Mittel geglaubt hätte.Bravo! rief der Meiſter, von ganzem Herzen la chend.Das Nachſpiel, wenn Sie die Güte haben wollen! ſagte der Sän⸗ ger, ganz erſchöpft von ſeiner Anſtregung. Roſſini ſtieg wieder einen halben Ton höher. Lord T ſchwamm im Schweiß; aber er ſang vor Roſſini, dem Gott der Muſik! Er machte gute Miene zum böſen Spiel, und ſchrie ſeine Paſſagen, den Kopf auf den Rüken geworfen, wie die Hunde, welche ihre Abend ſtändchen vor verſchloſſenen Thüren bringen.Braviſſimo! rief der große Mann, wie ein Narr lachend;Duprez hätte es nicht beſſer gemacht.Das Nach ſpiel! ſagte außer Athem der Engländer, der aber durchaus mit Ruhm aus dieſem Kampf hervorgehen wollte. Neue Schwingungen, welche das ganze Mu ſieſtük ſo hoch brachten, daß ſelbſt Duprez es nicht erreicht hätte. Lord TI, abgehärtet gegen Gefahren, die er nicht kannte, warf ſich mitten in diefelben; aber, o Himmel: des Menſchen Kraft hat ſeine Grenzen, und auch die eines Muſik⸗Liebhabers vermag nicht das Unmögliche. Als der Sänger zum dritten Mal zu der unheilbringenden Paſſage kam, die ſich von Augenblik zu Augenblik immer mehr erhob, wie der Horizont vor den ſchweifenden Bliken, überſchlug er ſich auf erſchrekliche Art und Weiſe, die Alles zum Lachen brachte.Tüchtiger aber un⸗ glüklicher Streiter! ſagte Roſſini, wie die Uebrigen vom Lachen Thränen in den Augen.Mylord, fuhr er fort,dieſe Romanze ehrt Sie in meinem Andenken, es iſt lange her, daß Signor Monpou mir ſo viel Vergnügen ver

ſchafft hat! An. 2

De- und wehmüthiges Pro- memoria an ſämmtliche Herren Direk- toren und Theilnehmer des Guttenbergfeſtes des Jahres 1840.

Es iſt auf den Univerſitäten üblich man weiß eigentlich nicht warum, es ſei denn um begangenen Uebels, Unfleißes u. dgl. willen dem alten Jahr ein Pereat, dem neuen ein Vivat zuzurufen. Da nun die edle Buchdrukerkunſt insgemein den Nachhall der hohen Schulen zu Tag fördert, Meiſter und Geſel len davon ernährt, ſo möchte es freundlich und der Dankbarkeit gemäß ſein, ihnen hierin, doch in einem verſtändlicheren Sinne, gleichfalls nachzu hallen, und nicht ſowohl das vergangene Jahrhundert an ſich, welches ja durch ihre, der