Jahrgang 
Band 1 (1840)
Seite
114
 
Einzelbild herunterladen

114

eine der ſchönſten Inſtitutionen des Chriſtenthums hälſt. Schaͤme dich, ein ſol cher Schwärmer zu ſein und darüber Weib und Kind zu vernachläſſigen!

Mit jenem gutmüthigen Humor, durch den Hugo jeden, der ihm zürnte, ſchnell zu verſöhnen wußte, antwortete er dann:Leute, ihr hezt nur meine Frau gegen mich auf. Sie iſt glüklich, überglüklich. Sie weiß, daß ich ſie früher angebetet habe, jezt aber, daß ich ſie liebe, liebe mit einer geläuterten reinen Flamme! Ich biete Alles auf, um ihr das Leben angenehm zu machen. Als ſie ihrer Niederkunft ſo nahe war, daß ſie nicht mehr ausgehen durfte, ließ ich Ole Bull in unſerm Salon ſpielen, die Ungher ſingen; was verlangt ihr von einem jungen Ehemann mehr? Sie hat mich mit einem kleinen Engel von Mäd⸗ chen beſchenkt. Nun beſchäftigt ſie ſich mit der Sorge für eine paſſende Erzie hung. Sie lieſt ſchon ſeit einigen Tagen nichts mehr als Caroline Rudolphis Gemälde der weiblichen Erziehung. Laßt ſie in dieſer himmliſchen Mutterfreu de! Sie iſt meine Madonna, von der die Gläubigen ſich doch immer in einer gewiſſen Entfernung halten. Ich will mein junges Leben nicht in der Kinder ſtube verliebkoſen. Sie verlangt es auch nicht, läßt mich gehen wohin ich will und nur Ihr ſeid die Störenfriede, die nicht übel Luſt zu haben ſcheinen, den Saamen des Unfriedens zu ſäen.

Sie taugen zwar nicht viel, entgegnete ihm darauf eine ältere geiſtvolle Dame, der er daſſelbe erzählt hatte,aber man ſöhnt ſich mit Ihnen doch wenig ſtens dadurch aus, daß Sie Ihre Untugenden eingeſtehen. Abſcheulich iſt es im⸗ mer, eine junge liebenswürdige Frau zu Haus zu haben, die ſich bei Rouſſeau, Peſtalozzi, Caroline Rudolphi und allen möglichen Erziehungs-Schriftſtellern darnach erkundigt, ob ſie ihre kleine Eugenie ſoll einwiegen laſſen oder nicht; und während deſſen alle möglichen Vergnügungen mitzumachen in Geſellſchaft der verrufenen Petitmaitres. Warten Sie nur, ich kenne Jemanden, der Ihrer Frau früher den Hof machte und ſich mit Ihnen ſchießen wollte, als Sie ſie heiratheten. Ich werd' ihm ſagen, daß das Terrain jezt günſtig iſt. Sie ver dienen dieſe Züchtigung. Hugo lachte mit einem triumphirenden Blike, als wollte er ſagen: Von der Seite bin ich ſicher!

Hugo war ein leidenſchaftlicher Reiter, aber ſeine Wagenpferde ſchonte er. Mich dauern die armen Thiere, wenn ſie im Regen ohne Deke ſtehen müſſen, wenn ſie im Winter auf der Straße des Nachts frieren, während die, die ſie fahren ſollen, noch oben auf einem Balle tanzen ſagte er oft zu ſeiner Ge mahlin und hätte ihr weiches Herz bald darüber zum Weinen geſtimmt. Seine Freunde aber würden geſagt haben: Mit einem Fiaker ſchlängelt man ſich leich ter durch verſtekte Stadtviertel, als mit einer Caroſſe, deren Wappen allbekannt iſt. Das gäbe einen ſchönen Lärm, wenn der Wagen des Grafen Hugo ſtunden lang unter den Fenſtern der jungen Soubrette ſtünde, die jezt ſo oft auf dem Theater an der Wien von ihm beklatſcht wird? Es iſt eine ſehr polizeiliche Erfindung, die Fiaker! Durch ſie wird für den öffentlichen Anſtand geſorgt.

Grade vierzehn Tage nach der Taufe ſeiner kleinen Eugenie fuhr Graf Hugo, um ſchneller in die Gegend zu kommen, wo er etwas zu thun hatte, fuhr er wieder in einem Fiaker. Nachläſſig ſich auf den elaſtiſchen Sizen des Wagens wiegend, lachend vor Lebensluſt, Geſundheit, Glütſeligkeit, bemerkte er zwiſchen dem Kiſſen, auf dem er ſaß, und der Rüklehne ein Papier. Er griff darnach, es war ein Brief. Er war uneröffnet, und hatte einige Buchſta⸗