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Pferde und zwölf Menſchen dazu, um ihn in Bewegung zu ſezen. Man hofft noch immer, das Waſſer werde heraus— ſpringen. Man hat übrigens dabei die intereſſante Bemerkung gemacht, daß das Waſſer um ſo wärmer wird, je tie— ſer man kommt und daß dieſe Wärme regelmäßig bei dreißig Metres um einen Grad ſteigt.— Ein ehemaliger Jour— naliſt in Paris, ein höchſt jovialer Menſch, war häufig am Tiſche eines bekannten Banquiers zu finden u. wurde auch bald der Schuldner deſſelben, in— dem er ſich von ihm eine Summe Geld gegen einen Wechſel geben ließ. Der Wechſel wurde zahlbar, aber der Schuld— ner zahlte nicht; der Banquier klagte nicht, ſah aber mit Verdruß, daß ſein ſpaßhafter Tiſchgaſt auch das Haus mied und nicht einmal ſoviel Dankbarkeit be— ſaß, um ihm gegenüber ſizen zu kön— nen. Er bediente ſich alſo des Wechſel⸗ rechtes gegen den Schuldner. Vor eini— gen Tagen wurde denn derſelbe auch wirklich verhaftet, und er glaubte, man würde ihn in das Gefängniß bringen; dies geſchah jedoch nicht, ſondern man führte ihn zu dem Banquier eben als es Tiſchzeit war und der Gläubiger ſagte ernſt zu ihm:„Nehmen Sie ſich in Acht, Herr, ſo oft Sie meinen Ein— ladungen, ohne giltigen Grund nicht folgen, werde ich Sie ſo mit Gewalt holen laſſen.“—„Ich finde das ganz in der Ordnung,“ antwortete ruhig der Schuldner,„denn der Gläubiger muß den verhafteten Wechſelſchuldner alimentiren.“— Zur lezten Induſtrie— Ausſtellung in Paris gab ein Englän⸗ der, Namens Bolton, eine gewöhnli— che Nähnadel, die man nur auf ſeine Bitte mit aufnahm. Jedermann ging an der unſcheinbaren Nadel vorüber, ohne ſie zu beachten. Am Schluſſe der Ausſtellung zog endlich Bolton die Preisrichter zu ſeiner Nadel. Erſt ließ er ſie durch das Mikroſkop unterſuchen,
und es war nicht die mindeſte Ungleich— heit auf ihrer Oberfläche zu entdeken. Dann nahm ſie der Verfertiger und ſchraubte ſie auseinander; da erſchien eine andere von gleich ausgezeichneter Arbeit, und ſo kam vor den Augen der erſtaunten Richter ein halbes Duzend ſchöner Nadeln zum Vorſcheine, welche eine in der andern ſtekte;— ein wahr⸗ haftes Wunder der Kunſt.
Würzburg. Am 21. Jäner riß hier ein heftiger Sturmwind das Schil—⸗ derhaus vor der Wohnung des Herrn Generalmajors v. Greis um und ſchlug dem daſelbſt als Schildwache ſtehenden Soldaten den linken Fuß am Schien— bein ab.
Lokal-Zeitung.
Theatraliſches. Donizettis Oper: „Lucia die Lammermoor“ ward am 13. d. M. zum zweiten Male gegeben. Lucia iſt zwar nur eine italien. Oper, iſt ein„Stükwerk“, flach, ſeicht, ptatt, tiefelos, ſie hat zwar das Unglük Melodien u. ausgeführte Melo⸗ dien zu haben und die Mufik hat, was das Schlimmſte iſt, durchaus nichts Lang⸗ welliges an ſich—— aber nichts deſto— weniger ſindet man ſie recht unter hal— tend und obwohl ihr alle Paliative einer klaſſiſchen Muſik, als da ſind: prachtvolle Dekorationen, reiche Garderobe, ſinnige Ma— ſchinerlen de. mangeln, ſo geſtaltet ſich ihre Anziehungskraft doch ſehr lebhaft, was die— ſer flachen Muſik leider eine ſelbſtſtändige Dauer ſichert, und das Peſther Publikum ſin— det eben ſo ſehr, wie das kleine zu Mailand, Neapel, Paris de. Geſchmak daran. ueber die hieſige Aufführung iſt bereits in dieſen Blättern referirt worden. Delle. Carl be— weiſt als Lucla, daß man auch in elner ita— lieniſchen Oper klaſſiſch ſein könne.— Sehr lobenswerth iſt auch Hr. Leithner.— Herrn Stoll aber ſchlug fleißig die Stimme um. Es ſchien, als hätte er ſeine Kehle vorher mit etwas Anderm als mit Geſang exerzirt.
— Wir haben bereits gemeldet, daß Delle. Carl eine ſchmeichelhafte Einladung von der t. k. Hofoperntheater-Adminiſtration erhalten habe, und daß ſie ſolche wegen ihrer hieſigen Verbindlichkeiten für jezt nicht annehmen konn—
te. Hierauf wendete man ſich an die ebenfalls


