Jahrgang 
Band 1 (1840)
Seite
109
 
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moiſelle Schebeſt eine eben ſo große Sän gerin als Schauſpielerin, und in bei⸗ den faſt unerreichtbar. Bedächtig Ur theilende wollen ihr indeſſen ein ſo un⸗ gemeſſenes Lob höchſtens in der zulezt genannten Eigenſchaft zugeſtehen. Ihr hieſiges Auftreten wird ihr Gelegen heit geben, ſich zu bewähren, da ſie faſt gleichzeitig mit Mad. Schröder Devrient, welche Mitte nächſten Monats zu er warten iſt, in die Schranken treten ſoll.

Florenz. Hier macht die zweimal im Theater aufgeführte Oper:Gio vanni die Procida, Text und Kom⸗ poſition vom Fürſten Joſeph Poniatows⸗ ey, großes Auſſehen. Der Fürſt, ſein Bruder Karl und deſſen Gemahlin ſan gen ſelbſt die Hauptparthien darin.

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Korreſpondenz.

Prag(8. Februar). Bälle über Välle! Auf der Färberinſel und im Convicte beimſteinernen Tiſch u. imblinden Thor, in der Stadt Hamburg u. beimFaſſel, auf der Holzinſel und imBaadſaale u. ſ. w. überall erklingen die Weiſen von La bitzty, Lanner, Strauß und Hilmar, dazu das Heer geſchloſſener Bälle! Ei nen eigenthümlichen Charakter hatte der am 5. d. M. abgehalteneBöhmiſche Nationalball, deſſen bedeutendes Er trägniß der cechiſchen Schule zu Preß burg zufloß. Tänze und Muſik waren nationel. Der Speißzettel in böhmi⸗ ſcher Zunge abgefaßt und ein kraftvol les patriotiſches Gedicht im eechiſchem Idiom vertheilt. Der Mediziner-Ball, der am 29. v. M. ſtatt fand, war über aus glänzend. Luſt und Frohſinn hat- ten ihren Siz aufgeſchlagen; die Ge ſellſchaft war eine gewählte, und der Schönheiten gab es viele, daß manches Männerherz verwundet den Ball ver ließ. Das Arrangement geſchmak voll. Unter den Tanzkompoſitionen zeichneten

ſichPulsſchläge u.Tonmährchen, von einem Or. der Medizin verfaßt, aus. Am 9. iſt ein großer Vall in Ver⸗ bindung mit einer Lotterie, der zum Be ſten der Armen-Anſtalt bei St. Bart ho⸗ lomäl, in dem Färberinſelſaale abgehal⸗ ten wird. Kein Jahr war ſo fruchtbar an Tanzkompoſitionen. Hören Sie die Galopp⸗Titel: Wir haben einenBliz⸗ und Sturm-, Freundſchafts,Franzis ca⸗, Eiſenbahn-, Delphinen-, Roccoco⸗, Gabriele-, Vergißmeinnicht-Galopp, wir haben Launen- und Thereſien-Walzer, und das Heer der Volken als da ſind: Laſaken-, Crispindl-, Gratien-, Wilhel⸗ minen-, Faſchings-, Saiſon⸗, Roſenhain⸗, Silveſter-, Otovits-, Poſtwagen⸗ und ungariſche Polka, und ſämmtliche hier genannte Tänze ſind bei Marco Berra erſchienen. Bei Joſ. Hofmann ſind aus⸗ gegeben worden: Promenaden, Allian ce⸗, Mazeppa-, Bettina-, Jelie- und Funken-Galopp und Roccoco-, Ka ſino⸗, Roſinen-, Poſtillion-, Prachover-, Erin⸗ nerungs⸗, Feodora-Polka. Nicht wahr, unſere Füße haben die Hände vollzuthun, um alle dieſe Tänze in Schnupfen, Hu ſten, Migraine und in verſchiedenen Schmerzen zu verarbeiten. Leider wur de durch ein Paar Tage die Faſchings luſt durch den Todesfall Sr. Exzellenz, des Grafen Clam-Martinitz geſtört, deſſen irdiſche Hülle heute unter militäriſcher Begleitung von hier nach dem Fami liengute Smetsna bei Schlan abgeführt wird. Bereits iſt ein Theil unſerer Gar niſon nach Smetsna abmaſchirt, wo ei ne Trauer-Funktion am 10. d. M. ſtatt findet. An tragiſchen Ereigniſſen fehlt es auch nicht. Ein Hörer der Technik hat ſich von der Brüke herab in die Moldau geſtürzt. Als Urſache dieſes Selbſtmordes gibt man ein falſches Ehr gefühl an. Der Unglükliche ſoll nämlich bei der Prüfung ſchlecht beſtanden ſein und daher eine ſchlechte Klaſſen-Note erhalten haben. Auch ein gemeiner Sol