Jahrgang 
Band 1 (1840)
Seite
108
 
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Merkwürdige Handſchriften).

Eine der merkwürdigſten Sammlungen muſikaliſcher Autographen befindet ſich in den Archiven derGeſellſchaft der Muſikfreunde des öſterreichiſchen Staa⸗ tes. Hiezu gehören namentlich Briefe von Joſ. Haydn, in deren einem er dem Unternehmer der großen Konzerte in London, Salomon, ſeinen berühm⸗ ten Landsmann, den eben ſo rechtskundigen, als wizigen Sonnleithner der eine Reiſe nach England machte, empfiehlt. Ein zweiter bezieht ſich auf die Aufführung eines ſeiner Oratorien, hinſichtlich der Tempi u. ſ. w. mit dazu gehörigen Noten u. ſ. w. Auch befindet ſich unter dieſen Handſchriften eine Sammlung ungedrukter Canons. Ein Brief von Michael Haydn(dem Bruder Joſephs) an einen Herrn in Linz, bezieht ſich auf eine komiſche Meſſe, die angeblich von ihm(M. H.) herrühren ſollte, wogegen er ſich aber ſehr ernſthaft erklärt, indem ernie mit heiligen Dingen Scherz getrieben habe. Ein Schreiben Mozart' s an den Muſik⸗Verleger Hoffmeiſter in Leipzig ent⸗ pält die dringende Bitte um Geld. Eine, auf der Stelle, bei einer fröhli⸗ chen Geſellſchaft, komponirte Menuette, das ganze vollſtändige Manuſtript der berühmten Cantate:Laut verkünde unſ're Freude, gehören zu den bedeu tenden Merkwürdigkeiten von der Hand des unſterblichen Komponiſten. Ein Schreiben Cherubini's an den Grafen von Goés, ihm für die Aufnahme in die Geſellſchaft der Muſikfreunde zu danken; ein ähnliches Schreiben Zel⸗ ter's mit der ſatyriſchen Bemerkung,daß dergleichen Ehrenbezeigungen den Leuten in der Regel ſelten bei ihrem Leben widerführen, befinden ſich eben⸗ falls unter den Autographen dieſer Sammlung. Das Ganze iſt vollſtändig, nach den Namen der Komponiſten geordnet, in einzelnen Mappen anfbewahrt, und jedes Autographum ſehr leicht zu finden. Einer der größten Schäze, welche die Geſellſchaft beſizt, iſt die vollſtändige Sammlung der Werke Bee⸗ thoven's in Partitur, auf das Zierlichſte geſchrieben und eingebunden. Die Koſten des Abſchreibens ſollen allein 10,000 Gulden C. M. betragen haben. Dieſe ganze Sammlung, welche der kunſtliebende Kardinal-Erzherzog Rau- dolpy, einer der größten Verehrer Beethoven's, hatte veranſtalten laſſen, iſt nach ſeinem Tode durch teſtamentariſche Verfügung an die Geſellſchaft über gegangen, und wird in zwei oder drei zierlichen Glasſchränken aufbewahrt.

*) Aus dem in Wien erſcheinenden, von Ebersberg trefflich redigirten, Oeſterr. Zuſchauer

Urtheile. Begebniſſe. N ſein. Die Göttinger ſind extaſirt von Theater. den Gaſtrollen der Sängerin Agneſe Hannover. Auf der hieſigen Büh⸗] Schebeſt, die in 14 Tagen hier ihr ne hat Dem. Lammersdorff aus Ham-] Gaſtſpiel beginnen ſoll. Nach den Be⸗ burg einen ungewöhnlichen Beifall ge- richten aus der Muſenſtadt, die freilich habt, wozu ihre angenehme Perſönlich-] die leicht entzündliche Begeiſterung der keit beitragen mag; ſie ſoll engagirt! akademiſchen Jugend verrathen, iſt De⸗