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Hr. Stoll(Hüon) ſchien mal disposé; auch war er nicht im vollen Beſize ſei⸗ ner Stimme und ließ Manches weg.— Hr. Steiner iſt dem Parte des Oberon, der auch Spiel und Deklamation erfor⸗ dert, nicht gewachſen— eben ſo war die Rolle der Mad. Miklowitſch-Heine— fetter nicht den Kräften der Darſtelle⸗ rin angemeſſen; doch ſang ſie Manches recht artig.— Hr. Diskant, als Sche⸗ rasmin, ſpielte mit vieler Laune.— Unſere erſten Mitglieder des Schau— ſpiels, die in dieſer Oper mitwirkten, batten einen zu nichtsſagenden Dialog zu behandeln, um mit Aus zeichnung hervortreten zu können. Doch muß Mad. Klimmetſch in ihrer Szene lobend er— wähnt werden.— Die Chöre wirkten mit ber größten Präziſion, ſo wie über⸗ haupt die ganze Vorſtellung ſpäter ge⸗ winnen dürfte.— Unter den Gruppi⸗ rungen waren einige recht geſchmak voll arrangirt.— Der Beſuch bei doppelten Eintrittspreiſen war bedeutend, wenn auch das Haus nicht überfüllt war. Semper idem. Berlin. Am 28. v. M. ſahen wir hier wieder ein prachtvolles, neues Ballet, genannt:„Liebes händel““, auf⸗ führen, welches der erſt aus Amerika zurükgekehrte Solotänzer Taglioni ar⸗ rangirt hatte. Das Haus war von Zu⸗ ſchauern überfüllt, die beſonders dem darin vorkommenden Schlittſchuhlaufen und Schlittenfahren, das der Natur täuſchend nachgeahmt war, den rau⸗ ſchendſten Beifall zu erkennen gaben. Der Hof wohnte der Vorſtellung bis zu Ende bei.— In nächſter Woche werden Mad. Crelinger und Olle. Löwe, erſtere berühmt als dramatiſche Künſtlerin und leztere hochgefeiert als Sängerin, eine muſtkaliſch⸗deklamatoriſche Unterhaltung, zum Beſten der hieſigen Armen, veran— ſtalten, wobei unſere vorzüglichſten Schau— ſpieler und Sänger ihre Mitwirkung zugeſagt haben.
Paris. In dleſen Tagen iſt hier bereits wieder eine neue dreiaktige Oper von Seribe u. Halevy aufgeführt wor— den:„Der Tuchhändler““ Die Hand⸗ lung des Stükes iſt weder neu, noch eben ſehr wahrſcheinlich, gibt aber muſikaliſche Momente, und dies genügt. Die Muſik Halevy's iſt ſehr rühmenswerth, und die neue Oper macht daher höchſt wahr- ſcheinlich bald die Reiſe durch Europa. Der Inhalt der Oper iſt ungefähr fol⸗ gender: Chartres, das zu der Ligue hält, wird von den königlichen Trup⸗ pen belagert. Zwei Schöffen, Bazu, der Tuchhändler, und Gautier, der Glökner, entwerfen den Plan, die Stadt den Belagernden zu übergeben. Unter den Kunden des Tuchhändlers erſcheint auch ein Unbekannter, der indeß von den beiden Verſchwornen für den Abge⸗ ſandten des Königs, den Kapitän De⸗ lanoue, erkannt wird, welcher mit ih⸗ nen unterhandeln ſoll. In dieſem Au⸗ genblike ertönt die Abendgloke; die drei Männer gehen in das erſte Stokwerk, um von ihren Angelegenheiten zu ſpre— chen, während Jeanne, die Tochter Ba— zu's, allein in dem verſchloſſenen La⸗ den bleibt. Urban, ein junger Stu— dent, klopft leiſe an; er liebt das Mädchen, wird eingelaſſen, und ſie be⸗ klagen beide ihr trauriges Schikſal, da Jeanne den alten Gautier heirathen und die Verbindung ſchon am nächſten Tage ſtattfinden ſoll. Unterdeß kommen die drei Verſchwornen zurük, Urban muß ſich verſteken, u. die Tochter Va⸗ zu's auf Geheiß des Vaters ſich ent⸗ fernen. Sie kommen in dem Laden über ihr Geſchäft vollends überein. Plözlich aber entſteht draußen auf der Straße ein gewaltiger Lärm; das Volk ver⸗ langt den königlichen Offizier, der im Hauſe ſein ſoll. Bazu läßt ſeine beiden Genoſſen durch einen geheimen Ausgang entſchlüpfen, und öffnet der Menge, die,
von einem kriegeriſchen Mönche geführt,


