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lungene Leiſtung, wenn ihm auch die Varitonſtellen weniger gelangen. Gro— ser Applaus. Nächſt ihm verdient der gemüthliche Vortrag des Hrn. Steiner (Melchthal) höchſt ehrenvolle Erwäh— nung, ſo wie auch Delle. Rauch als Mathilde ſchöne Momente bot. Die Ue— brigen, ſo wie Chöre und Orcheſter ge— nügten.— Am vorhergehenden Abende ſpielte Hr. Jermann den Daniel in Vo— gels:„Erbvertrag.“ Wir werfen den Franzoſen vor und namentlich Herrn Viktor Hugo, daß ſie in ihrem neuen Nomantizismus den Effekt nur immer durch Gräßliches, Haaremporſträuben— des zu erzielen ſuchen, und ecce hier ein altes deutſches Drama, das an Gräu— lichkeiten wohl ſeines Gleichen“ ſucht, in dem uns durch lange vier Akte ein vom Gewiſſen gefolterter gemeiner Ver— brecher vorgeführt wird, der daher un— ſer Mitgefühl nie erregen kann, ein würdiges Seitenſtük zu Raupach's lun⸗ genſüchtigen Müller Reinhold in der Spitalkomödie„der Müller und ſein Kind“, der auch durch lange 4 Akte hüſtelt und ſpukt, bis er endlich ſein Ende findet. Der Daniel iſt eine zwar ſchwierige, aber dankbare Rolle; unſer geſchäzter Gaſt gab ſie wirklich mit er— greifender Wirkſamkeit, das allzu Grelle durch weiſe Mäßigung mildernd. Hr. J. ward oftmals gerufen. S. i.
Literatur.
Literariſches Portefeuille. Das Taſchenbuch„Thalia“, welches bis jezt Hr. Karl Meisl u. Aug. Schmidt in Wien herausgegeben, erhielt ſtatt Lezteren einen neuen Redakteur in Hrn. Franz Fitzinger.— Der„„öſterreichiſche Muſenalmanach“ von Andreas Schu— macher iſt erſchienen und enthält viel Gutes, den größten Theil des Bänd— chens jedoch füllen die Beiträge des Dich— ternachwuchſes, ſo daß dieſer Muſentem—
pel einer poetiſchen Kleink inderwahran⸗ ſtalt nicht unähnlich ſieht.— Bei dem Hofbuchhändler Peter Rohrmann er— ſcheint ein neuer„Selam“(Blumen- ſprache), auf deſſen artiſtiſche Ausſtat— tung er viele Koſten verwendet; dito von Franz Stelzhammer, dem ewig wandernden Oberöſterreicher-Poeten, ein Bändchen Novellen bei Johann Nep. Paſſy in St. Pölten.— Die Wallis⸗ haufſer'ſche Buchhandlung in Wien hat auch die zweite Folge von Vogl's Bal— lad en an ſich gebracht, welche noch im Laufe dieſes Jahrs an's Licht treten wird. Grillparzer's„der Liebe und des Meeres Wellen“ verlaſſen noch die— ſes Monat die Preſſe.— Das muſika— liſche Taſchenbuch„Orpheus“ wird, troz ſeines ſchlechten Abganges, dem Verneh— men nach dennoch von Riedl und Aug. Schmidt fortgeſezt.— Der unerſchöpf— liche Ritterromanenſchreiber Ludw. Del⸗ laroſa hat wieder ein neues Opus voll— endet, welches das Leben und die Tha— ten des Ungarhelden Szapary zum Vorwurfe hat.— Der alte„Freimü— thige““ in Berlin, deſſen Ableben be— reits von mehreren Seiten angekündigt wurde, hat ſich noch in der Todesſtun— de wieder erholt, indem ein Verleger, der erſt kürzlich aus der Provinz nach Berlin gezogen, ſich des verwaiſten Blat—⸗ tes angenommen hat. Denn nicht die Cenſur, ſondern der Mangel an Unter— nehmungsluſt drohte, dieſem Vetera— nen der Berliner Belletriſtik den Todes⸗ ſtoß zu geben.
Mignon Zeitung.
Nürnberg. Die hieſige Chroni⸗ que ſcandaleuſe beſchäftigte ſich dieſer Tage mit einem jungen, hübſchen Gau— ner, der unſere altehrwürdige Stadt zum Tummelplaze ſeiner geheimen In⸗ duſtrie erkor. Zwei Reiſenden in un⸗ ſerm Gaſthofe ſtahl er durch Erbrechen


