Jahrgang 
Band 1 (1840)
Seite
32
 
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habe meinen Rok bei Ihrem Nachbar für 20 Franken verſezt; löſen Sie ihn aus, und er gehört für 30 Franken Ihnen, ſo viel iſt er unter Brüdern werth. Was ſollte der Wirth anders machen, als dieſes Anerbieten anneh men? Febore aber ging jezt ohne Ober rok frohen Muthes nach Hauſe. Das Gericht nahm natürlich keinen Anſtand, der Bitte der Mutter auf ſolche Be weiſe hin zu entſprechen, und dem Soh ne einen Vormund zu ſezen. Der junge Febore ſcheint übrigens ein Sonderling ganz eigener Art zu ſein, denn obgleich aus einer ſehr begüterten Familie ſtam mend, und im Beſize eines Vermögens, das eine Rente von 12,000 Franken ab⸗ wirft, hat er doch ſchon oft Monate lang bei Maurern als Handlanger ge dient, oder um Tagelohn mit an den Eiſenbahnen gearbeitet.

Weimar. Das Haus in Weimar, in welchem Goethe einſt wohnte, iſt jezt zu einer weiblichen Penſions-Anſtalt be nuzt; doch ſind den jungen Damen

Werthers Leiden und dieWahlver wandtſchaften ſtreng verboten.

London. In London, Paris und anderen Städten raucht man bereits keine Cigarren mehr, wenn man als Modemann und Mann des Fortſchritts gelten will, ſondern Tabak aus kleinen porzellanen Röhren, in denen Luftlö⸗ cher ſo angebracht ſind, daß ſie das zu ſchnelle Verbrennen der edeln Herba Necotiana verhindern.

Lokal-Zeitung.

Konzert des Hrn. Taborsky⸗ Dieſes zeichnete ſich diesmal durch die Mit- wirkung unſers großen Kunſtgaſtes, Liszt's, beſonders aus. Liszt ſpielte zwei Nummern: Reminiscences des Huguenots und ein Duo für plano und Violine von Herz u. Beriot; atkompagnirte zwel von Hrn. Steiner ſchön und ausdrukspoll geſungene Lleder v. Preyer, und als er am Schluſſe mit ſtürmiſchen Ak klamationen gerufen wurde, ließ er ſich noch in einer Phantaſie nach einem Weber'ſchen

einfachen Anzeige; nach dem Vielen, was ſchon über den unvergleichlichen Virtuoſen geſagt wurde, wäre es überflüſſig noch etwas hinzu- zufügen. Liszt's Spiel und Liszt's Sieg ſind ſo unzertrennlich, daß alle hyperboliſchen Wortfloskeln hier nichts mehe beträftigen Lön nen. Der Konzertgeber ſpielte Violinva⸗ rlationen über ein ungariſches Thema eigener Kompoſition und die Violinparthie in dem erwähnten Duo. Es iſt doppelt ehrenvoll für den Künſtler, daß er neben ſolch einem Stern erſter Größe in der Kunſtwelt keinesweges unbeachtet blieb, und es war ſelbſt in dem Duo, an der Seite Liszt's, wo man nicht um⸗ hin konnte, ſein ſchönes, zierliches Spiel, ſeine herrliche Bogenführung und den gefühl vollen Vortrag zu bewundern. Die Varia tionen aber ließen kalt, das Thema iſt ſchon zu ſehr abgenüzt. Der Saal war beſucht.

Liszt gibt heute im ungar. Theater ein zweites Konzert, diesmal zum Beſten des zu gründeten Konſetvatoriums der Muſik, wes⸗ halb ſeine Reiſe über Raab nach Preßburg, noch aufgeſchoben wurde. Vorgeſtern, Don- nerſtag, gab er in Ofen ein Privatkonzert, woſelbſt ſich die haute volee Ofens einfand. Abends war die angekündigte Damen⸗ Solree in Peſth, die überaus glänzend war und bis gegen den andern Morgen währte. Man tanzte auch dabei. Morgen gibt er im Peſther Redoutenſaal ſein Abſchiedston zert, wobei er nach aufgegebenen Themas improviſiren wird. Er reiſt Montag von hier ab, und gibt Mittwoch in Raab ein Konzert. Dle Stadt Peſth hat ihm das Ehrenbürgerrecht erthellt.

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Peſther Redoute. Morzen, Sonn⸗ tag, eröffnet der Peſther wohlthätige Frauen- verein die diesjährigen Bälle in unſerm Re- doutenſaale, mit ihrem gewöhnlichen Wo h l⸗

thätigteitsball. Es heißt, daß Lioͤzt

den Ball beſuchen werde.

Ofner Redoute. Die erſte Gene ral⸗-Muſikprobe, am 6. d. M., erfreute ſich ſowohl einer großen Frequenz, als auch des einſtimmigſten Beifalls. Sonntag, den 12. wird, zum Vortheile des ganzen Orcheſters, eine zweite Muſikprobe, wobei größtentheils

neue, das erſte Mal nicht zur Produktion ge l

Motive hören. Wir begnügen uns mit dieſer

brachter Muſikſtüke ausgeführt werden.

Herausgeber und Verleger Franz Wieſen.

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