phantaſtiſche, unerklärliche, mährchen— hafte Würfelſpiel der Töne, die Liszt's Genius ſo eigenthümlich auszeichnet, ſchien uns heute beſonders vor den Sin— nen vorzuſchaukeln; aber aus dem mächtig ergreifenden Seltſamen, Bizarren leuch— tete auch Faßlichkeit und Verſtändlich— keit hervor und die hohe Idealität, die ſich des Virtuoſen Geiſt zum Zielpunkte vorgeſtekt, zeigte ſich den Normen des Schönen und Edlen unterwürfig. So war das Septett von Hummel in allen ſeinen Theilen gehalten, ſo mächtig regten die Tarantellen Herz und Nirn an und ſo ſüß und ſanft entzükte, ſo unendlich tief rührte die Phantaſie, die er auf ſtürmiſches Verlangen wiederho— len mußte. Sollen wir noch etwas von der Aufnahme von Seite des Publi— kums, das ſich heute, wie wir glau— ben, zahlreicher denn je einfand, ſpre— chen? Die Sache verſteht ſich von ſelbſt. Enthuſiasmus, Begeiſterung und wie alle dieſe Epitheta auch heißen mögen, ſind viel zu ſchwach, um die Thatſache zu repräſentiren.— Erwähnen müſſen wir noch, daß in den Intervallen Herr Varay zwei Lieder von Schubert, die Liszt auf dem Piano begleitete, mit lobenswerthem Eifer ſang.— Liszt ſcheidet nun bald von uns und hat auf lange jedem Virtuoſen nach ihm das Spiel verdorben. J. M.
Literatur.
„Klänge und Bilder aus Ungarn“ in Dichtungen von J. N. Vogl. Wien, bei Tendler und Schäfer, 1839.(Peſth, zu haben in Hartleben's Buchhandlung.) Mit wahrhaft freudigem Gefühle und patriotiſchem Stolze können wir dem für echte Poeſie empfänglichen Herzen, dieſe „Bilder“ empfehlen, die auf heimath— lichem Boden ſich bewegend, die Vater— landsliebe des Magyaren mächtig anre— gen und ihm mit friſchen lebendigen Far⸗
3
ben längſt entſchwundene Erinnerungen aus der Kindheit zurükrufen. Phanta— ſiereichthum, Klarheit der Auffaſſung wie der Darſtellungsweiſe und ein herr— licher Versbau, dem wahre Begeiſterung pulſirendes Leben gibt, reihen dieſe neuen Dichtungen des rühmlich bekannten Sän⸗ gers den gelungenſten Leiſtungen in die⸗ ſem Genre an. Mit einer Apoſtrophe an „Pannonia“ eröffnet er den Reigen und führt dann den Leſern eine Reihe von Legenden, Balladen, Sagen de. vor, von welchem unſtreitig das uns ſo lieblich an— ſprechende Bild:„des Heidenſchenken Töchterlein“, das ergreifendſte iſt. Das Lied:„An einen alten Zigeuner“, iſt voll Wehmuth und zarter Empfindung. „Das Schenkenbild““, im Dämmerlichte des Abenteuerlichen gehalten, bekundet am kräftigſten ſein maleriſches Talent und die dichteriſche Ader, die ihm einen ſo ausgezeichneten Rang auf dem deut- ſchen Parnaſſe anweiſt.„Die Flüchten— de“, ein Nachtſtük aus der Ueberſchwem— mung in Peſth vom Jahre 1838, iſt von echt dichteriſchem Werth und wird be— ſonders den Augenzeugen dieſer Kata⸗ ſtrophe tief in's Herz greifen. Doch wir wollen nicht die einzelnen Gedichte, die uns beſonders gefielen, heraus heben, denn das hieße faſt ein In haltsverzeich⸗ niß machen; wir müſſen indeß das Ve— dauern ausſprechen, daß bei den vollen— deteſten Gedichten hie und da nicht recht elingende Reime dem hingeriſſenen Leſer einigen Anſtoß geben. Wir zweifeln nicht, daß das elegant ausgeſtattete Werkchen, das noch mit dem Bildniſſe des Dichters geziert iſt, beim Leſepublikum den Bei⸗ fall und die Anerkennung finden wird, den es mit vollem Rechte in Anſpruch nehmen kann. Hz. C. Philadelphia.(Nordamerika⸗ niſche Literatur.) In dem 65⸗ſten Jah⸗ re der Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten(1840) iſt der II⸗te Jahrgang des„American Almanac and Reposi-


