Jahrgang 
Band 1 (1840)
Seite
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war er ſehr beſcheiden, und er richtete fol gende Worte auf dem Anſchlagzettel') an das Publitum:

Hoher gnädiger Adel! löbl. k. k. Mili tar! verehrungswürdiges Publikum!

Ich bin ein ungar, und kenne kein grö⸗ ßeres Glüt, als die erſten Früchte meiner Erziehung und Bildung meinem theuren Vaterlande, als das erſte Opfer der innig ſten Anhänglichkeit und Dankbarkeit, vor meiner Abreiſe nach Frantreich u. England, ehrfurchtsvoll darzubringen; was dieſen noch an Relfe mangelt, dürſte eln anhaltender Fleiß zur größern Vollkommenheit führen, und mich vielleicht einſtens in die glüklichſte Lage verſezen, auch ein Zweig der Zierde des theuren Vaterlandes geworden zu ſein. und er hat mehr als Wort gehalten!

Theatraliſches. Am 28. v. M, be⸗ trat Mad. Kalis-Padjera, nach langer häus⸗ licher Zurükgezogenheit, als Gräſin Orſina wieder die Bühne. Die Künſtlerin ward rau ſchend empfangen und ſie gab dieſen Charak ter mit ſolcher Vollendung, daß ſie ſich des einhelligſten Beifalls erfreuete.

Lucia di Lammermoor, die ſo lang erwartete Oper Donizetti's, kommt nun künf tige Woche, als Beneſiz des wakern Baſſiſten, Hrn. Leithner, zur erſten Aufführung.

) Wir verdanken die Mittheilung dieſes Zettels Hrn. Kunſthändler Mlller in Peſth.

Schindelmeiſſer's ſo beliebte gewordene Oper:Szapary, wied künftigen Freitag zum ſiebenten Male gegeben.

Weber'sOberon wird auf der deut ſchen Bühne mit außerordentlicher Pracht aus geſtattet werden. Es jellen nicht weniger als vierzehn neue Dekorationen hiczu gemalt werden.

Der als lyriſcher Dichter, wie als Kri titer, beſonders durch ſeine muſikaliſchen Re ferate imHumoriſten,Sammler u. a. Blättern betannte Literat, A. Draxler (Bruder des renommirten Baſſiſten IJ. Drar⸗ ler in Preßburg), der voriges Jahr als Sän ger vom Dilletantismus zur Buhne uüberge⸗ treten, ſeit mehreren Monden bei dem bieſt gen Theater engagirt, hat von der Direktion des ſt. Theaters in Agram eine Einladung zu einem Gaßſpiele erhalten. He. Draxler, im Beſize eines ſchöͤnen Baritons, wird gewiß, bel zwekmäßiger plasirung, ſeine Stelle mit Glüt ausfullen.

Liszt gibt morgen Donnerſtaa, den 2. Jäner, um 12 uhr Mittags, zum Beſten des

dadurch an Intereſſe gewinnen durfte, da er ven Seite des Vereins auf eine ganz beſon⸗ dere Weiſe begrüßt werden wird.

Sonnabend, den 4. Jan. gibt Liszt ein Konzert, zum Vortheil des pe⸗ ſther ungar. Theaters, in demſelben Theater. Preiſe der Pläze in C. M.: Loge im Parterre u. im 1. Stot 10 fl., im 2. Stot 8 fl. Sperrſiz im Paterre 1 fl. 30 kr, im 2. Stok 1 fl. 20 tr. Eintritt ins Parterre 1 fl, 2. Stok 40 kr., Gallerie 20.

Heute, Nachmittags, iſt General Muſitpcobe im Peſther Redoutenſaale, unter der Leitung des Herrn Kapellmeiſters Morelly.

Artiſtiſche

Genrebild Nr. 1.

Deilagen.

Der Vorleſer. Dieſes ausdruts volle Bildchen iſt.

aus einer größeren Sammlung Pariſer Originalien entnommen. Die drei handelnden Perſo⸗ nen ſind, obwohl von einer lächerlichen Seite aufgefaßt, doch ſo aus dem Leben gegriffen

und ſo ſprechend hingeſtellt, daß

dem Komentator die umſtändliche Erläuterung erſpart wird.

Monſieur de P. iſt ein reicher Büchernarr und zugleich Schriftſteller aus Liebhaberei. Er

bittet Hrn. und Mad. de la B.

zu ſich, um ihnen ſein neueſtes Werk vorzuleſen. Wie ſeine

Gäſte den Jphalt aufnehmen, läßt ſich aus ihren Zügen entnehmen, Vielleicht aber haben ſie keinen Geſchmat für ſolche Gediegenhekt; oder ſollten ſie keinen Sinn für dieſen Unſinn ha

ben? Hter heißt es aber, g vornehmen Freund zu beleidigen.

die Langeweile überwinden, denn es iſt nicht rathſam, ſolch einen Welcher von unſern Leſern war nicht ſchon wenigſtens ein

Mal im Leben in ähnlicher Lage? Unſere Zuhörer rufen gähnend und mechaniſch aus:

Sublime! Admirable! P ſie denken ſich aber dabei: 0 nie ſo was Einſchläferndes gehort!)

2. Maskenbild. den Karneval beſonders zu empfehlen ſeln.

Wramida l!(Herrlich! bewundernswürdig! Pyramidengroß)) Je mai jamais rien entendd d'aussi soporifique!(ich habe noch

Dieſe geſchmatvollen Koſtümes dürften für den bevorſtehen

*. Modenbild Xr. I. paris, 15. Dez. Seidenhüte. Bournouß mit Taille

von Cachemir oder Atlas. Die neuen Tütel vi

Hofel in Wien verfertlgt kannten J. P. Sollinger' ſchen

gnekten ſind eigends für unſere Blätter von Hen. Profeſſor worden. Die Titelſchrüften find aus der rühmlich be Buchdrukerei ein Wlen.

Herausgeber und Ve

rleger Franz Wieſen.

Muſikvereins, ein drittes Konzert, das noch

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