Jahrgang 
Band 2 (1837)
Seite
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Die Freude erhält den Menſchen. Jeder Menſch hat ſeine eigene Freude. Der Eine hat ſeine Freude daran, Pfeifenköpfe anzurauchen und Pferde zu dreſſiren; der Andere Notabilitäten zu Soireen zu laden und ſich dann ſelbſt groß zu dünken, der Eine macht alten Mädchen die Kour, der An⸗ dere ſchreibt ſatyriſche Aufſäze; ich für meine Perſon freue mich, ein Menſch zu ſein, und mich ungeſchoren von der Kritik im Stillen freuen zu kön⸗ nen! Die Freundſchaft verlängert das Leben; wenn man 60 Jahre hin⸗ durch einen wahren Freund beſizt, iſt man mit ihm alt geworden, man weiß nicht wie!! Mit der Freundſchaft iſt es überhaupt ein Ding, ſie freut den Zehnten nicht. Man ſchließt ſie beim Champagner, und bricht ſie bei ordinärem Baieriſchen; aber die Freude, die kann man ſo ganz al⸗ lein für ſich haben, im Stillen, ohne Freund, im herrlichen Kämmerlein, und das iſt das Privilegium der Freude.

Nur gleichgeſchaffene Seelen können wahre innige Freundſchaft ſchließen; das kleinſte Mißtrauen von der einen oder der andern Seite vernichtet das himmliſche Gebäude, und aus ſeinem Schutte keimt Argwohn, Unzufrieden⸗ heit, Haß, Nache.Wähle lange, aber haſt du einmal gewählt, dann dauere aus! ſagt Engel von der Freundſchaft. In der Erkenntniß liegt die Prü⸗ fung, nicht im Prüfen das Erkennen. Welch unbeſchreiblich ſchmerzliches Gefühl, von denen, die uns lieb und theuer ſind, einſeitig beurtheilt, min⸗ der geachtet, verkannt zu werden; und ſolche bittere Früchte trägt oft ver⸗ borgen der Freundſchaft Blütenbaum.

Doch Freundſchaft und Freude gehören zu dem F. F. des Lebens, und das F. F. gehört zu dem G. C. des Lebens, zum erfahrungsreichen Zeit⸗ ſcha ze zwiſchen Geburt und Grab. Auguſt Schilling.

Ekn ſchrekliches Erlebniß. Neueſtes Fragment aus den Memoiren eines Arztes. (Aus dem Blackwood' Mageszine in derEuropa.)

Jedermann erinnert ſich wohl an den Brand der Brennerei-Gebäude des B.. zu Dublin. Es begegnete mir dabei ein Abenteuer, das, wie ich glau be, nie ſei nes Gleichen hatte, noch haben wird. Ich wohne zu Dublin, wo ich Arzt bin. An demſelben Abende, an dem die Feuersbrunſt aus brach, ging ich von Haus weg, um einen Patienten in einem Bade zu beſuchen, dem ich damals ganz beſondere Aufmerkſamkeit ſchenkte. Gegen eilf Uhr zog ein ro⸗ ther Schein am Himmel von Nord⸗Weſt her meine Blike auf ſich, und ich richtete meine Schritte nach dieſer Gegend, der Brauerei des B. zu. Dieſes Gebäude bildete ein längliches Vierek, an deſſen einem Ende ein alter Flügel mit Wohnungen unter einem rechten Winkel gebaut war, an der entgegenge⸗ ſezten Seite ſtand ein ganz neues, noch nicht einmal vollendetes Gebäude. Bei meiner Ankunft bot mir der große Hof das belebteſte Schauſpiel dar. Drei Feuerſprizen goſſen unaufhörlich ihr Waſſer auf die Dächer und die Fenſter, durch welche die Flammen herausſchlugen. Es war ein ſchreklicher Kampf, in dem der Menſch ein Element zur Beſiegung des anderen gebrauchte. Der mit Waſſer angefüllte Hof ſtrahlte die Flammen zurük, und blendete die Au