Jahrgang 
Band 2 (1837)
Seite
781
 
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cben ſich Mad. Otrſoͤer allgemetnen, ent huſtaſtiſchen Beifall errang. Vor⸗ züglich als Fidelio war ſie unübertreff⸗ lich, Spiel und Geſang ſo vollendet, daß ſie, ohne zu übertreiben, mit der Zuvielge feierten Schröder⸗De⸗ vrient unbedingt in die Schranken tre⸗ ten darf. Geſtern, den 2. Dez., kam der langerwarteteLiebestrank(L Eli sir d'amore), als Benefize der Dem. Lutzer, zur Aufführung. Die Aufnahme war günſtig, Dem. Lutzer(Adina), Schmetzer(Nemorino) und Staudigl (Dulcamara) leiſteten Ausgezeichnetes. Doch es war nur der deut ſche Liebestrank ohne die italieniſche glühende Zauberkraft. Eine Paralelle zwiſchen Lutzer und Tadolini, Stau⸗ digl und Frezzolini ziehen zu wollen, fiele nur ſehr nacht heilig für die deut⸗ ſchen Sänger aus. Auf dieſer Büh⸗ ne wird im Februar der bekannte Te⸗ noriſt Haitzinger zu Gaſtſpielen er⸗ wartet. Im k. k. Burgtheater ver⸗ ſuchte ſich Hr. Vaiſon auch als Don Carlos und mißſfiel. Warum bleibt er nicht bei dem ihm zuſagenden Konver⸗ ſationsgenre. Doch ſo ſind die Schau⸗ ſpieler alle, ſie glauben, ſie wären Univerſalgenies aber dieſe kann man leider an den Fingern her⸗ zählen. Von dem Freihern von Braun kommt ebendaſelbſt eine Bearbeitung der Piecele chateau de ma meère, unter dem Titel:die Großtante zur Aufführung. Endlich haben wir ſie doch erwartet die Heißerſehnten, ſie ſegeln ſchon die Donau herab von Re gensburg und treffen vielleicht ſchon heute hier ein die berühmten Be⸗ duinen! Die bekannte, ausge⸗ zeichnete Klavierſpielerin Dem. Wiek iſt von Prag hier angekommen. Prag.(Pöck als Kon verſa⸗ tionsſtoff. Jubelfeier des Don Juan. Unglük zweier Poſſen u. Durchfall des Hon.

vom Haufe. Etngang des neuen Liebhabertheater 6. Reue Dramen vonder Züricher Theaterdirectrice und von Wenzig. Franz. und b h⸗ miſches Theater. G ã ſt e. Der Humoriſt, uffo Horn. lara Wiek.) Die Anzeige von Pöcks Kontraktbruche iſt ſeit ein Paar Tagen endlich von der Theateraffiche entſchwunden, nicht aber von den Zun⸗ gen, die kurioſe Mährchen über Pöck in Umlauf bringen. Während ihn Ei⸗ nige nach Prag auf diplomatiſchem We⸗ ge requirirt wiſſen, laſſen ihn Andere aus Neue ſich ſelbſt erſchießen. Der Eine weiß beſtimmt, daß Pöck von Braunſchweig nach Berlin durchgegan⸗ gen und daſelbſt als ein Sänger, deſ⸗ ſen Läufe zu ſehr ausgebildet, kein Engagement gefunden; der Vierte will ſchon in Prag Mad. Pöck geſehen ha⸗ ben. Dies und noch andere Sächelchen bringt der geſchäftige Tagsdiskurs zur Welt, indeß Pöck in BVraunſchweig ge mächlich ſein Pfeifchen ſchmaucht und ſich nicht träumen läßt, daß über einen durchgegangenen Baſſiſten ſo viel Ge⸗ rede iſt, der eben nicht das Gleichge⸗ wicht von Europa ſtören wird. Leb⸗ hafte Senſation machte die am 4. Nov. veranſtaltete 50⸗jährige Jubelfeier des Don Juan, welcher diesmal mit allen dazu urſprünglich komponirten Nummern bei feſtlicher Beleuchtung des Hauſes gegeben wurde. Ein Prolog, deſſen Verfaſſer ſich eben nicht als ein poet zeigte, wurde von drei Damen und drei Herren geſprochen, während das Auge die koloſſale Büſte des ge⸗ nialen Tondichters, umſchwebt von zwei Genien der Kunſt, erblikte. Die mei⸗ ſter⸗ und muſterhaft ausgeführte Ou⸗ vertüre muſte da capo geſpielt werden. Der Andrang des Publikums zu die⸗ ſer Feier war außerordentlich und die Einnahme die größte, die ie im Pra⸗